Benefiz-Matinee für die Flutopferhilfe begeistert mit abwechslungsreichem Programm

Jubel für die Festspieler

Bad Hersfeld. Eine lange Schlange hat sich am Sonntagvormittag vor dem Kartenpavillon der Festspiele gebildet. Zu Hunderten strömten die Menschen in die Ruine, um die Benefiz-Matinee des Ensembles zugunsten der Flutopfer mitzuerleben – viele offensichtlich ganz kurzentschlossen.

Für die Bad Hersfelder und viele ihrer Gäste war es an diesem Sonntag nicht nur die Vorfreude auf ein ganz besonderes, buntes, abwechslungsreiches Programm, die sie in die Ruine trieb, sondern ganz bewusst auch eine Solidaritätsbekundung mit dem Ensemble und mit ihren Festspielen. Das wurde schon am Beifall deutlich, der Intendant Holk Freytag entgegenbrandete, als er nur „Guten Morgen“ sagte und erklärte, dass die Matinee etwas verspätet beginnen werde, weil noch so viele Menschen Karten kaufen wollten.

Während des gut zwei Stunden dauernden Programms gab es immer wieder spontanen Jubel und zum Schluss erhob sich das Publikum praktisch mit dem letzten Akkord gemeinsam, um seine Festspieler zu feiern.

Großartige Künstler

Das, was auf der Bühne geboten wurde, war in der Tat jede Feier wert. Denn dort offenbarte sich, dass die einzelnen Produktionen der Festspiele bis in die Nebenrollen hinein mit großartigen Künstlern besetzt sind, die nun, ganz alleine auf der großen Bühne der Stiftsruine, kleine Ausschnitte ihres Könnens präsentierten.

Lemuel Pitts, zum Beispiel, eröffnete den unterhaltsamen Reigen mit dem zu Herzen gehenden „Bridge over troubled water“ – ein gelungener Beitrag zu einem Vormittag, an dem es um die Folgen einer Flutkatastrophe ging.

Zauberfiedeln

Marie Therese Futterknecht und Charlotte Puder lasen die Geschichte von „Josa mit der Zauberfiedel“, Takashi Bernhöft, erster Geiger des Show-Boat-Orchesters, überraschte mit einer japanischen Improvisation und gemeinsam mit seiner Partnerin Ann Sophie Mundt mit einem Mozart-Duett.

Vom Frühling in Paris und einer nicht sehr glücklichen Liebe sang humorvoll das Ensemble Tonart, bevor Anastasia Bain eines ihrer eigenen Gedichte vortrug, in dem es um ihre Stimme ging.

Inez Timmer, die die Benefizveranstaltung angestoßen hat und munter durchs Programm führte, präsentierte sich gemeinsam mit Aisata Blackman als ausdrucksstarke Sängerin. Die sehr vergnügliche Geschichte eines Hasen im Rausch, der sich mit dem Löwen anlegt, erzählte Andreas Christ. Neil Dolan führte einen selbst choreographierten Tanz vor, Petter Bjällö sang ein schwedisches Lied, Annett Kruschke trug Goethes Zauberlehrling mit Gitarrenbegleitung vor und Marion Zollinger sang ein eindrucksvolles „Halleluja“.

Von den Leiden der Musical-Darsteller, die sich oftmals nicht ernst genommen fühlen, sang und tanzte Nini Stadlmann. Hersfeld-Preisträger Stephan Schad quatschte höchst vergnüglich am Fahrkartenschalter den Beamten zu Tode, Fabian Baumgarten schwadronierte gleich einem Politiker über Kunst und Festspiele, ohne wirklich etwas zu sagen und Jörg Reimers sprach über die Vor- und Nachteile, in diesem Land zu leben. Weitere gesangliche Höhepunkte trugen Joanna Henrique, Jessica Fendler und Milica Jovanovic bei, bevor zum Abschluss Walter Reynolds noch einmal mit „Ol’ man river“ begeisterte. Vergnügliche Akzente setzte im ganzen Programm Barbara Goodman mit ihrer Charlie-Chaplin-Nummer. Für die musikalische Begleitung sorgte Christoph Wohlleben.

Von Christine Zacharias

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