Wochenendporträt: Arbeitsloser will mit gedrosseltem Auto Campingplätze abklappern

Jobsuche im Schritttempo

Von Bebra nach Flensburg: Mit sechs Stundenkilometern will Enrico Wübbold in seinem Fiat Panda bis zur dänischen Grenze fahren. Ziel des Hartz-IV-Empfängers ist es, unterwegs eine Festanstellung zu finden. Foto: Schaffner

Bebra. Seit Jahren ist Enrico Wübbold auf der Suche nach einer Festanstellung. Jetzt hat der 43-jährige Campingplatzwart aus Bebra genug von Gelegenheitsjobs – und plant eine beispiellose Bewerbungstour: Mit einem auf Schritttempo gedrosselten Auto will er von Bebra nach Flensburg fahren und unterwegs auf sämtlichen Campingplätzen nach Arbeit fragen.

„Ich schreibe jeden Monat fast 50 Bewerbungen, mehr als zeitlich befristete Stellen fallen dabei aber nicht ab“, sagt Wübbold. Deshalb will er seine Arbeitskraft nicht mehr länger nur über den Postweg anbieten, sondern nun im Rahmen einer mehrwöchigen Autoreise 240 Campingplätze anfahren, um direkt vor Ort Vorstellungsgespräche zu führen. „Platzwart ist einfach mein Traumjob“, sagt Wübbold, den es mit seiner Tour auch in die Nähe seiner alten Heimat Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) zieht.

60 Kilometer pro Tag

Als Hartz-IV-Empfänger müsse er sich so eine Fahrt jedoch genehmigen lassen. Drei Wochen habe ihm das Amt bereits bewilligt – und die wird er wohl auch brauchen. Denn sein Fahrzeug, ein 24 Jahre alter Fiat Panda, ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von sechs Stundenkilometern eines der langsamsten Autos in ganz Deutschland. „Mehr als 60 Kilometer am Tag werde ich deshalb wohl nicht schaffen“, schätzt Wübbold, der zwar keinen Führerschein besitzt, seinen Kleinwagen jedoch aufgrund der Tempobeschränkung fahren darf.

Auf direktem Weg wären es von Bebra bis Flensburg 500 Kilometer. Auf Schnellstraßen wird er sich aber mit seinem langsamen Panda nicht fortbewegen können. „Wegen der geringen Geschwindigkeit muss ich meine Fahrt wie ein Fußgänger planen“, sagt Wübbold, der seine Route derzeit mit Wanderkarten und Reiseführern ausarbeitet.

Und wenn ihm kein einziger Campingplatzinhaber zwischen Waldhessen und deutsch-dänischer Grenze die gewünschte Festanstellung bieten kann? „Dann habe ich zumindest alles versucht“, sagt er und ergänzt, dass er sich notfalls beispielsweise auch mit einer Hausmeisterstelle anfreunden könne. „Mein erstes Ziel ist es, dass ich ab 2016 wieder Geld verdienen kann“, sagt er.

Starten soll die Bewerbungstour nach den Osterferien. Sorgen bereitet ihm noch die Finanzierung seiner Bewerbungstour.

Auf Sponsorensuche

„Um das Benzin bezahlen zu können, bin ich auf Unterstützung angewiesen“, räumt Wübbold ein. Einen Sponsor habe er bereits, weitere sollen folgen: „Ich könnte das ganze Auto mit Werbung bestücken“.

Da er mit der Fahrt kein Geld verdienen möchte, setzt er auf Tankgutscheine. Das sei mit dem Amt auch so abgesprochen. Dass die Gutscheine auf sein Arbeitslosengeld angerechnet würden, mache ihm nichts aus: „Für einen festen Arbeitsplatz nehme ich das in Kauf.“

Kontakt: Enrico Wübbold, Telefon 0176/27047654.

Von Sebastian Schaffner

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