Messerstecherei in Bebra: Sechs Monate auf Bewährung für 41-jährigen Türken

Jetzt der richtige Täter

Bad Hersfeld. Der erste Versuch, den mutmaßlichen Täter einer Messerstecherei in Bebra seiner gerechten Strafe zuzuführen, hatte im Herbst vergangenen Jahres vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld mit einer faustdicken Überraschung geendet: Nicht der Angeklagte war der Schuldige, sondern offensichtlich dessen Schwager, der seinerzeit lediglich als Zeuge im Gerichtssaal saß.

Gestern musste der 41 Jahre alte Türke dann doch noch auf der Anklagebank Platz nehmen, um sich vor Richter Michael Krusche und den beiden Schöffen wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten.

Der Lagerarbeiter und Vater von drei Kindern, der schon im ersten Verfahren die Tat zugegeben und damit für den Freispruch seines Verwandten gesorgt hatte, legte auch jetzt ein Geständnis ab.

Hintergrund waren nachbarschaftliche Auseinandersetzungen um angeblich zu laute Kinder in einem Mehrfamilienhaus in der Nürnberger Straße gewesen. Als der 41-Jährige dann in der Silvesternacht 2010 eine Frau, die sich bereits mehrfach beschwert hatte, auf dem Weg zum Raketenknallen zur Rede stellte, war es zur Auseinandersetzung zwischen deutschen und türkischen Hausbewohnern und deren Gästen gekommen.

In Rücken und Bauch

Als Handgreiflichkeiten drohten, gingen Schlichter dazwischen, zunächst mit Erfolg. Doch unmittelbar darauf ging es erneut zur Sache mit bösen Worten und Herumschubsen. Es bildete sich ein Knäuel aus Menschenleibern, in dem ein 43-jähriger Hausbewohner plötzlich am Körper „etwas Warmes“ spürte: aus vier Stichwunden in der Rippengegend und dem Unterbauch floss das Blut.

Zunächst nichts bemerkt

Die Wunden waren nicht tief, doch ohne ärztliche Versorgung hätte es für den Verletzten schlimm ausgehen können. Wer ihn gestochen hatte, das konnte er nicht sagen: Der gut gepolsterte Mann hatte zunächst nichts bemerkt.

Für einige der beteiligten Deutschen war es jedoch keine Frage, dass der Messerstecher der Bruder der im Haus lebenden Türkin gewesen war. Schließlich hatte sich der Mann kurzzeitig vom Tatort entfernt. Und wie sich später herausstellte, war der 31-Jährige vorbestraft. So landete der in diesem Fall unschuldige Mann vor Gericht.

Tatsächlich hatte jedoch dessen Schwager ein Küchenmesser mit nach draußen genommen, um damit die Zündschnüre der Silvesterraketen freizulegen. Im Handgemenge der Streithähne hatte er dann in Richtung des Nachbarn gestochen, angeblich zur Abwehr. Der Türke räumte jedoch ein, dessen Verletzungen in Kauf genommen zu haben.

Das Schöffengericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Angenommen wurde dabei – wie von Verteidiger Christian Kusche angeregt – ein minderschwerer Fall. Hinzu kommt eine Geldauflage von 600 Euro. Staatsanwalt Werner Stock hatte ein Jahr auf Bewährung gefordert.

Von Karl Schönholtz

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