Abendschüler nutzen Chance, als Erwachsene Schulabschlüsse machen zu können

Jetzt ist die Lust am Lernen da

Erfolgreiche Abendschüler: Daniel Reidt, Michael Hartung und Gabriel Savci, arbeiten an ihrem Abitur. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Michael Hartung ist 42 Jahre alt und eigentlich ganz zufrieden mit seinem Leben und seiner Arbeit am Klinikum Bad Hersfeld. Trotzdem hat er das Gefühl, dass er noch etwas anderes machen möchte, als im technischen Bereich des Klinikums als Mann für alle Fälle zu arbeiten. In seiner Freizeit drückt Michael Hartung zurzeit die Schulbank. An der Schule für Erwachsene macht er sein Abitur und dann möchte er gerne studieren: Etwas Technisches, Mathe oder Physik schweben ihm vor.

Dass er einmal freiwillig und gerne zur Schule gehen und lernen würde, das konnte sich Hartung als Jugendlicher nicht vorstellen. Er verließ die Schule nach der elften Klasse, weil er keine Lust mehr hatte auf Schule, erzählt er. „Ich wollte rausgehen und das richtige Leben kennenlernen“, sagt Hartung. Statt einer Ausbildung fand er gleich einen Job am Klinikum, den er seither ausübt. Jetzt ist die Lust am Lernen da und Michael Hartung freut sich, dass die Schule für Erwachsene ihm die Möglichkeit bietet, auch in seinem Alter noch einen Abschluss zu machen.

Auch bei Daniel Reidt und Gabriel Savci kam die Lust am Lernen erst im Erwachsenenalter. Sie sind beide Anfang 20 und arbeiten nach dem Realschulabschluss nun an ihrem Abitur. Beide erzählen, dass sie als Jugendliche an der Schule nicht gut zurechtkamen. Vor allem Savci fühlte sich oft ungerecht behandelt und von seinen Lehrern nicht ernst genommen.

Gut aufgehoben

Nach dem Hauptschulabschluss verließen beide die Tagesschule und durchliefen eine ganze Reihe von Maßnahmen zur beruflichen Integration bei der Arbeitsagentur, die sie damals wie heute als wenig hilfreich empfinden. An der Abendschule fühlen sie sich dagegen gut aufgehoben. „Das hat viel damit zu tun, wie die Lehrer einem was beibringen und wie man behandelt wird“, sagt Savci. „Hier wird man mit mehr Respekt behandelt“.

Diese Erfahrung hat auch Daniel Reidt gemacht. Er versuchte nach seinem Realschulabschluss an der Abendschule noch einmal sein Glück an der Modellschule Obersberg, fühlte sich dort unter den deutlich jüngeren Schülerinnen und Schülern jedoch nicht wohl.

Die Motivation der einzelnen Studierenden, die Doppelbelastung Berufstätigkeit und Schule auf sich zu nehmen, ist unterschiedlich. Einige haben einfach jetzt Spaß am Lernen und wollen sich selbst beweisen, dass sie das Abitur schaffen, die meisten wollen jedoch beruflich weiterkommen, studieren, neue Wege einschlagen. Die Altersspanne der Studierenden auf dem Abendgymnasium ist zurzeit zwischen Anfang 20 und 42 Jahren.

„Manche unterschätzen die Anforderungen auch“, hat Michael Hartung festgestellt. „Es ist anstrengend, wenn man bis 22 Uhr Schule hat und am nächsten Tag um 5 Uhr wieder an der Arbeit anfangen muss.“ Er will trotzdem weitermachen, ebenso wie Daniel Reidt und Gabriel Savci. „Ich hätte es auch schneller schaffen können, bin jetzt aber glücklich so wie es ist“, meint Daniel Reidt.

Von Christine Zacharias

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