HZ-Interview mit Alf Rothe, dem Vorsitzenden des Arbeitskreises für Musik

Jetzt ist Klarheit geschaffen

Alf Rothe, Vorsitzender des Arbeitskreises für Musik, vor dem Streitobjekt der jüngsten Auseinandersetzung mit den Bad Hersfelder Festspielen. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Die Auseinandersetzung um drei Konzerttermine in der Stiftsruine hat das fragile Verhältnis zwischen den Bad Hersfelder Festspielen und dem Arbeitskreis für Musik (AfM) nach Jahren der relativen Ruhe wieder einmal belastet. Nach dem in letzter Minute erzielten Vergleich, der einerseits einen Auftritt des Dresdner Kreuzchors während der Festspielzeit ermöglicht und andererseits den AfM als Mitveranstalter ins Boot holt, sprach unsere Zeitung mit dessen Vorsitzenden Alf Rothe über Befindlichkeiten, Sichtweisen und Perspektiven.

Herr Rothe, der Kreuzchor und Helen Schneider dürfen in der Ruine singen und der AfM sich für seine Großzügigkeit selbst auf die Schulter klopfen. Ist jetzt alles Friede, Freude, Eierkuchen?

Alf Rothe: Der Vergleich ist ein deutliches Zeichen, dass sich die Stadt noch zu dem Vertrag bekennt. Da bestanden ja vorher einige Irritationen. Jetzt ist eine Klarheit geschaffen, auf deren Basis man weiter arbeiten kann.

Dennoch gibt es einen Verlierer, denn der Chorverein wurde mit seinem Konzert zum Bauernopfer des Vergleichs. Unterm Strich entsteht da der Eindruck, dass ein Hersfelder Verein den anderen aus der Stiftsruine gekegelt hat. Was sagen Sie dazu?

Rothe: Wenn man einen Vergleich schließt, heißt das, dass man sich einig ist. Dass das Konzert von TonArt verschoben werden muss, örtlich oder zeitlich, liegt an der Terminierung. Das hätte nicht sein müssen. Denn drei Stunden später findet ein Festspielkonzert statt. Das wäre auch nicht im Interesse des Vokalensembles gewesen.

Der Vertrag mit der Stadt, in dem die Zuständigkeit für musikalische Veranstaltungen während der Festspielzeit geregelt ist, läuft bis 2015 – offenbar zum Unwillen der Festspiele. Ist er aus Ihrer Sicht noch zeitgemäß?

Rothe: Für den AfM bietet der Vertrag eine gewisse Planungssicherheit über das Jahr hinweg. Wir wissen genau, wann wir in die Ruine dürfen, wann die Proben beginnen oder wann unsere Veranstaltungen stattfinden können. Das macht es für uns sehr einfach und das macht es auch einfach für die Festspiele, weil sie genau wissen, dann kommt der nächste Veranstalter in die Ruine. Absprachen müsste es da sowieso geben mit oder ohne Vertrag.

Es hat ja über die Jahre immer wieder Kabbeleien zwischen Stadt und AfM gegeben. Sehen Sie Ihren Verein da als verfolgte Unschuld oder haben Sie auch ein gewisses Verständnis für die Festspiele?

Rothe: Ich denke, dass bei einem so großen Kulturbetrieb, wie er im Sommer in Bad Hersfeld stattfindet, unter den Sparten durchaus mal zu Reibereien kommt, das kann man nicht vermeiden, so dass man den einen oder anderen Konflikt aushalten muss. Bei den Terminen ging es jetzt aber um eine grundsätzliche Sache.

Andererseits: Es gibt Stimmen in der Stadt, die sagen, hier wackelt der Schwanz mit dem Hund. Wie sieht sich der AfM neben den Festspielen positioniert?

Rothe: Der AfM hat von der Infrastruktur und von seinen Mitarbeitern her einen deutlich geringeren Pool an Manpower. Man darf jedoch Ehrenamtlichkeit nicht mit Amateuren gleichsetzen. Und die eigentlichen Macher, die Künstler, die sind alle Profis.

Sie sehen sich also auf Augenhöhe?

Rothe: Die Festspielkonzerte und Oper sind fest etabliert und scheinen in der Außenwahrnehmung integraler Bestandteil der Festspiele. Es ist durchaus vom künstlerischen Anspruch her ein Verhältnis auf Augenhöhe. Vom Etat her stehen wir etwas schlechter da.

Wir haben von einem drohenden neuen Konflikt gehört. Angeblich ist eine dritte Oper geplant, die dann mit den Proben der Abschlusskonzerte von Ulli Meiß kollidieren würde, Ist da etwas dran?

Rothe: Diese Sache ist längst vom Tisch. Wir hatten überlegt, zum Stadtjubiläum im nächsten Jahr eine Monteverdi-Oper aufzuführen. Das wäre eine einmalige Sache gewesen, Doch zum einen gibt es die zunächst in Aussicht gestellte finanzielle Unterstützung der Stadt nicht, und zum anderen hätte es wegen der Proben von Ulli Meiß nicht gepasst. Es bleibt bei „Der Barbier von Sevilla“ und „Die verkaufte Braut“ im nächsten Jahr.

Von Karl Schönholtz

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