Verfassungsgericht hat Väter-Rechte gestärkt – Fachleute stimmen im Grundsatz zu

Jetzt geht’s gerechter zu

Hersfeld-Rotenburg. Beim Familiengericht in Bad Hersfeld gehört die Auseinandersetzung ums Sorgerecht bei unverheirateten Elternpaaren zwar nicht zu den häufigsten Streitfällen, dennoch ist man auch dort erleichtert, dass das Bundesverfassungsgericht in dieser Woche die Rechte der Väter ohne Trauschein gestärkt hat.

Hermann Eimer

Amtsgerichtsdirektor Hermann Eimer nennt die bisherige Rechtslage„unbefriedigend“. Unverheirateten Vätern, die das Sorgerecht für ihr Kind angestrebt hatten, konnte das Gericht bislang nicht helfen, wenn die Mutter die Zustimmung verweigerte, erklärte Eimer. Lediglich in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei einer krassen Gefährdung des Kindeswohls, hätte man den Vater des Kindes als Vormund einsetzen können.

Rechtliche Grauzone

In Bad Hersfeld würden jährlich weniger als fünf Fälle dieser Art verhandelt. Also seien die wenigsten der etwa 50 bis 70 Sorgerechtsfälle vom Karlsruher Urteil berührt, sagte der Amtsgerichtsdirektor. Klarheit haben die Gerichte noch nicht: „Der Gesetzgeber muss nun erst eine verfassungsgemäße Regelung finden. Bis zur Gesetzgebung bewegen wir uns in einer rechtlichen Grauzone.“ Eimer geht davon aus, dass strittige Fälle ausgesetzt werden, bis es ein neues Gesetz gibt.

Er verweist auf eine, in der Praxis vielen unbekannte, Möglichkeit: Unverheiratete Paare könnten gegenüber dem Jugendamt erklären, das Sorgerecht für ihr Kind gemeinsam ausüben zu wollen. Das Protokoll dieser Vereinbarung sei rechtsverbindlich, bei einer Trennung bleibt der Vater auch weiterhin im Boot.

Ungefilterter Streit

Klaus-Dieter Raub

Der Karlsruher Spruch wird nach Ansicht von Klaus-Dieter Raub Gerechtigkeit herstellen. Das sei gut, wenn ein unverheirateter Mann seine Vaterschaft verantwortungsbewusst ausüben wolle. Als Leiter der Kinder- und Jugendhilfe beim Kreis Hersfeld-Rotenburg ist Raub jedoch auch ein Mann der Praxis. „Auseinandersetzungen um das Sorgerecht bekommen wir hier ungefiltert mit“, sagt er.

Durch das Verfassungsgerichtsurteil könnten zum Beispiel Probleme entstehen, wenn ein Kind Folge einer kurzen sexuellen Beziehung sei und der Vater dann plötzlich das Sorgerecht fordere.

Wenn Eltern getrennt lebten, habe in der Regel der den besseren Bezug zum Kind, der auch räumlich näher bei ihm sei. Auf dem Sorgerecht dürfe nicht nur „herumgeritten“ werden, warnte Raub, sondern es komme darauf an, wie sich Väter tatsächlich einbringen.

Von Silke Schäfer-Marg

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