Jenseits von Afrika

Kai A. Struthoff

Irgendwo auf der Welt wird heute der siebenmilliardste Mensch geboren. Wahrscheinlich in Schwarz-Afrika. Vielleicht ist es ein Mädchen, das sich schon bald dem grausamen Ritual der Beschneidung unterziehen muss und dann ihr Leben lang Schmerzen erleiden wird. Vielleicht ist es ein Junge, der womöglich mit Drogen vollgedröhnt als Kindersoldat missbraucht wird. Vielleicht stirbt die Mutter bei der Geburt, vielleicht hat der Vater Aids. Vielleicht stirbt auch der neue Erdenbürger vor seinem fünften Lebensjahr an Durchfall oder Malaria. Oder er macht sich irgendwann auf den Weg in die reiche Welt, um unsere Luxusprobleme zu teilen.

Es ist ein weiter thematischer Bogen von Schwarz-Afrika nach Waldhessen – und doch ein kurzer Weg in der globalisierten Welt. Während wir mit dem demografischen Wandel, gegen Überalterung und Entvölkerung kämpfen, ringt die Welt-Gemeinschaft mit ganz anderen Herausforderungen. Vielleicht hilft uns das, unsere Probleme zu relativieren.

Trotzdem ist die Schließung der Alheimer-Kaserne in Rotenburg ein bitterer Schlag für unsere Region. Jede gut gemeinte Zukunftskonferenz hat gegen derartiges Sperrfeuer keine Chance. Umso heftiger ist nun das Wehklagen. Harsch war dafür aber auch die Kritik der heimischen CDU-Granden an meinem Kommentar, dass unser Kreis in Berlin und Wiesbaden offenbar nicht genug politisches Gewicht hat, um derartige Tiefschläge zu verhindern. (Übrigens eine höfliche Feststellung, gemessen an den viel drastischeren Worten unserer Leser im Internet.) Der CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich wies darauf hin, dass ja auch in Wahlkreisen von viel prominenteren Christdemokraten wie Gerda Hasselfeldt oder Peter Altmaier Standorte geschlossen wurden.

Und der Chef der CDU-Kreistagsfraktion Herbert Höttl bemühte das alte Bild der „Wehrdienstverweigerer, die plötzlich ihr Herz für die Bundeswehr“ entdeckt hätten. Höttl hat sogar Verständnis für die Standort-Schließung. Schließlich sei unsere Region wirtschaftlich doch auch so ziemlich stark.

Das sehen andere offenbar genauso und knallten uns ohne Schamfrist am Freitag gleich die nächste Hiobsbotschaft vor den Latz: Auch die Arbeitsagentur in Bad Hersfeld wird geschlossen und nach Fulda verlegt. Bingo! Landrat Schmidt wird jetzt wohl wieder von einer „kalten Dusche, die man erst verdauen muss,“ sprechen.

Kein Wunder, dass uns bei derart laschem Protest der hier politisch Verantwortlichen die Querschläger aus Berlin und Wiesbaden nur so um die Ohren fliegen.

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