Grundschulen: Fehlende Sprachpraxis hemmt Entwicklung

Jedes vierte Kind hat eine Sprachstörung

Hersfeld-Rotenburg. Immer mehr Erstklässler benötigen eine sprachtherapeutische Behandlung. Nach Zahlen des Landkreises war 2013 etwa jedes vierte Kind vor der Schuleingangsuntersuchung in Therapie. Im Vergleich zum Schuljahr 2011/12 bedeutet das einen Anstieg von vier Prozent.

Die Grundschulen im Kreis bestätigen diesen Trend. Annemarie Warneck, Schulleiterin der Brüder-Grimm-Schule in Bebra, beobachtet, dass sich die Sprachentwicklung bei Kindern immer weiter verzögert. „Etwa 50 Prozent der Kinder haben Sprachauffälligkeiten“, sagt sie. Die Kinder verfügen über einen deutlich verringerten Wortschatz, Dativ und Akkusativ können nur wenige Kinder unterscheiden, Endungen werden verschluckt. „Ob sich ein Kind sprachlich gut ausdrücken kann, hängt auch damit zusammen, wie viel Wert Erziehungsberechtigte auf Sprache legen“, sagt sie.

Die Kluft zwischen den Kindern, die ganze Märchen erzählen, und Kindern, die nicht im ganzen Satz antworten können, werde immer größer, sagt Marie Endler-Kaufhold, Schulleiterin der HaselbachSchule in Lispenhausen. „Frühes Vorlesen fördert zudem den Wissensdrang der Kinder und die Sprech- und Sprachfähigkeit.“ Als Ursache sieht die Pädagogin auch, dass auf Fragen der Kinder oft nicht umfassend geantwortet oder Kindern nicht richtig zugehört werde.

Annemarie Blohm, Schulleiterin der Fuldatal-Grundschule in Ludwigsau, weist daraufhin, dass es heute mehr Möglichkeiten gebe Sprachstörungen festzustellen. Dem Thema werde somit immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Grundschulen bieten deshalb ein Jahr vor der Einschulung „Vorlaufkurse“ an, um spielerisch den Wortschatz und die Satzbildung der Kinder zu erweitern, während sich Logopäden um die richtige Aussprache der Laute und somit der Wörter kümmern. (mli) ZUM TAGE, SEITE 2

Von Miriam Linke

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