Wochenendporträt: Manfred Mautsch stammt aus Bad Hersfeld und arbeitet im Pariser Hotel Ritz in der Gästebetreuung

Jeder Wunsch des Gastes wird erfüllt

Paris/Bad Hersfeld. Von der Kirmes in Kalkobes nach Paris ins Ritz: Als Aushilfskellner entdeckte Manfred Mautsch als Schüler die Liebe zur Gastronomie, heute ist der 57-Jährige als „Guest Relations Manager“ im bekannten Hotel Ritz dafür verantwortlichen, dass es den VIP-Gästen an nichts mangelt. Seit über 30 Jahren arbeitet der gebürtige Bad Hersfelder mittlerweile in Frankreichs Hautpstadt und möchte das Leben dort auch nicht missen.

Als Schüler gejobbt

Nach der Handelsschule schloss Mautsch seine Lehre zum Großhandelskaufmann vorzeitig nach zwei Jahren ab, auf dem zweiten Bildungsweg holte er an der Modellschule Obersberg das Abitur nach. Weil er keine staatliche Unterstützung bekam, habe er während dieser Zeit als Aushilfskellner auf der Kirmes in Kalkobes gearbeitet und dabei seine Liebe zur Gastronomie entdeckt, berichtet Mautsch. Auch in der Klosterschänke auf dem Johannesberg und in der Stadthalle arbeitete der 57-Jährige damals. „Den damaligen Pächtern Bernd und Beatrice Freier habe ich es zu verdanken, dass ich heute in der großen weiten Welt bin.“

Erste Station München

Denn die Freiers stellten den Kontakt zum damaliger Generaldirektor vom Hotel „Vier Jahreszeiten“ in München her, der Mautsch nach dessen Bundeswehrzeit in Rotenburg für ein zweijähriges Praktikum einstellte. „Der Direktor machte mir klar, dass Sprachen das A und O in der Hotellerie sind, und ich akzeptierte sein Angebot, nach London zu gehen“, erzählt Mautsch. Dort sammelte er im Berkeley Hotel, das damals zur Savoy-Kette gehörte, seine ersten Erfahrungen am Empfang. Nach zweieinhalb Jahren wuchs der Wunsch, Französisch zu lernen und Mautsch wechselte ins Ritz nach Paris.

„Dort bin ich nun seit 1982 und habe mich vom Empfangsangestellten, über Nachtdirektor, Direktionsassistent, Empfangsleiter zu meiner heutigen Position als Direktor für die Gästebetreuung hochgearbeitet“, erklärt er. „Ursprünglich wollte ich nur ein Jahr in Paris bleiben und dann wieder zurück nach London, aber unser Präsident Frank Klein hat mich nicht gehen lassen...“ Heute schaue er mit Freude auf die Zeit im Ritz zurück.

Mautschs Aufgabe ist es, sich um die VIPs zu kümmern und deren Wünsche und Begehren zu verwirklichen – frei nach dem Motto: Alles ist möglich im Ritz.

Wolle ein Gast seiner Liebsten einen Heiratsantrag machen und brauche dafür 1000 rote Rosen und ein Orchester, werde dies arrangiert. In den 80er-Jahren habe der Präsident einer US-amerikanischen Filmgesellschaft einen acht Meter hohen Weihnachtsbaum in seiner Suite haben wollen.

Lady Di, Gianni Versace, Boris Becker, Elton John, Elizabeth Taylor, Kirk Douglas, Elton John, Madonna, Kate Moss, Naomi Campbell, Anna Wintour, Gerhard Schröder und George Bush sind nur einige der Persönlichkeiten, die Manfred Mautsch im Ritz über die Jahre gesehen und betreut hat, und von denen einige regelmäßig zu Gast sind. Auch Königin Paola aus Belgien, Königin Sirikit aus Thailand, König Al Khalifa aus Bahrain und den Sultan aus Brunei kann Mautsch nennen. Hotel wird renoviert Derzeit arbeitet der 57-Jährige allerdings nur Teilzeit, denn das Pariser Hotel ist für Gäste geschlossen, da es komplett renoviert wird. Die Wiedereröffnung ist für Oktober 2014 geplant. Etwa 80 Prozent der Kunden seien Amerikaner, berichtet Mautsch.

Neben Deutsch, Englisch und Französisch spricht der gebürtige Bad Hersfelder auch Italienisch. Seit sechs Jahren ist er mit einem Architekten zusammen, der aus Kalabrien kommt. Ein Großstadtmensch Seine Heimat vermisst Mautsch nicht. „Ich bin ein Großstadtmensch und brauche die Hektik und den Stress sowie das kulturelle Angebot“, meint der 57-Jährige. Verwandte habe er in Bad Hersfeld und Umgebung auch nicht mehr. Nachdem seine Mutter 1999 verstarb, war er 2000 zuletzt in der Kur- und Festsspielstadt. Mit ehemaligen Freunden hält der Wahl-Pariser per E-Mail Kontakt. Einige seien auch schon bei ihm in Paris gewesen.

„Wenn ich mal deutsche Luft schnuppern will, dann nehme ich den TGV nach Saarbrücken“, sagt Mautsch. „Abfahrt morgens um 9 Uhr und zurück in Paris um 17 Uhr. Ein bisschen Shopping und deutsche Küche. Wunderbar.“

Von Nadine Maaz

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