Der Kreis sagt der Volkskrankheit Diabetes mit einem Präventionsprojekt den Kampf an

Jeder Schritt mehr zählt

Mit Obst gegen Diabetes: Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt servierte den Teilnehmern der Präventionsaktion persönlich Vitamine: (von links) Konrad Mück (Diabetes-Selbsthilfe), Paul Mähler (Vorsitzender Sportkreis) Dr. Roland Kaiser (Ärztlicher Geschäftsführer Landesärztekammer), Dr. Frank Klein (Arzt und Diabetologe aus Schenklengsfeld), Dr. Markus Kroker (Chefarzt Klinikum), Katja Mähler (Landesärztekammer) und Dr. Ulrike Kreinhoff (Deutsche Gesellschaft für Ernährung). Foto: Struthoff

Hersfeld-Rotenburg. Fit und gesund älter werden – wer möchte das nicht. Aber oft steht der eigene Lebenswandel diesem Wunsch im Wege. „Zu fett, zu süß, zu reichlich“, so beschreibt der Ärztliche Direktor der Landesärztekammer, Dr. Roland Kaiser, die Ernährungssünden vieler Bürger.

Sie bleiben nicht ohne Folgen. Immer mehr Menschen erkranken an Diabetes. Deshalb setzt der Kreis Hersfeld-Rotenburg unter der Schirmherrschaft von Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt jetzt gemeinsam mit der Landesärztekammer auf Prävention.

Risiko erkennen

„Es geht nicht um den erhobenen Zeigefinger“, sagt Dr. Kaiser. Allerdings müsse jeder potenzielle Riskoträger selbst etwas für seine Gesundheit tun und den Lebenswandel umstellen. Das ist leichter gesagt als getan. „Wir reden uns oft den Mund fusselig, aber nichts passiert“, sagt der Diabetologe Dr. Frank Klein aus Schenklengsfeld, der das Präventionsprojekt im Kreis begleitet.

Deshalb liegen jetzt in den Arztpraxen des Kreises Fragebögen aus, die den Patienten das „eigene Risiko plakativ vor Augen führen sollen“, erklärt Dr. Klein. Gefragt wird nach Essgewohnheiten, familiären Vorerkrankungen, dem Body-Mass-Index und den Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten. Wer dabei erkennt, dass ein Diabetes-Risiko besteht, dem soll mit einer Reihe von Vorbeugungsmaßnahmen geholfen werden.

Dazu sind neben Ärzten auch Sportvereine, Ernährungsberater oder Selbsthilfegruppen bei dem Projekt mit im Boot. „Viel zu wenige Menschen um die 40 sind im Verein aktiv, viele scheuen auch die damit verbundenen zeitlichen Verpflichtungen“, sagt Paul Mähler, der Vorsitzende des Sportkreises.

Dennoch bieten die Vereine wie auch die Diabetes-Selbsthilfegruppe um ihren Vorsitzenden Konrad Mück eine Vielzahl von Gesundheitsangeboten. Diese werden auch von Arbeitgebern gern genutzt.

Deshalb beteiligt sich zum Beispiel die Firma Continental in Bebra an dem Projekt. Weitere Arbeitgeber, aber auch Anbieter von Gesundheitskursen, wie etwa Vereine oder Physiotherapeuten, sind aufgerufen, ebenfalls mitzumachen. Auch die Knappschaft von Kali + Salz unterstützt die Präventionsbemühungen, anderen Krankenkassen hätten sich noch nicht dazu bereit gefunden, bedauern die Initiatoren.

Dabei sind auch die mit der Krankheit verbundenen Kosten für das Gemeinwesen erheblich. Rund 1500 Euro kostet die Behandlung von Diabetes-Patienten im Durchschnitt pro Jahr. „Wir registrieren eine Zunahme der Dialyse-Patienten um bis zu drei Prozent pro Jahr“, berichtet Dr. Markus Kroker, Chefarzt am Klinikum Bad Hersfeld. Er behandelt jene Patienten für die Prävention zu spät kommt. „Vorbeugen ist schöner“, sagt Dr. Kroker.

Viele sind übergewichtig

Und da gibt es viel zu tun. 63 Prozent aller Männer und 52 Prozent aller Frauen sind übergewichtig. „Übergewicht ist ein wesentlicher Risikofaktor für Diabetes“, warnt Dr. Ulrike Kreinhoff von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Vollkornprodukte statt gesüßter Limonaden sind ein erster Schritt zum gesünderen Leben. Mindestens 9000 weitere Schritte täglich sind außerdem nötig – mehr Bewegung.

Aller Anfang ist schwer – „aber jeder Schritt mehr zählt“, sagt Dr. Frank Klein. Weitere Infos und Kontakt: www.laekh.de

Von Kai A. Struthoff

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