Hospizverein begleitet Sterbende auf ihrem letzten Weg / Tod soll nicht tabuisiert werden

Jeder Mensch stirbt anders

Bad Hersfeld. Tod und Trauer sind Tabu-Themen in unserer Gesellschaft. Niemand mag gern über das Lebensende, die Angst vorm Sterben und die oft damit verbundenen Schmerzen nachdenken. Erst wenn der Tod ins eigene Leben tritt, merken viele, wie allein sie damit sind.

„Leben bis zuletzt“ ist das Motto des Ökumenischen Hospiz-Vereins, dessen ehrenamtliche Helfer Menschen in der letzten Lebensphase begleiten. „Die Themen Sterben und Tod sollen nicht mehr tabuisiert werden“, sagt der Theologe und Pfarrer Ronald Loot, der neue 1. Vorsitzende des Hospizvereins. Gemeinsam mit einem engagierten und kompetenten Freiwilligen-Team in dem Pfarrer, Ärzte, Rechtspfleger – vor allem aber Menschen, die selbst Erfahrungen mit dem Tod von nahen Angehörigen gemacht haben, mitwirken, will der Verein Sterbende auf ihrem letzten Weg nicht allein lassen.

135 Mitglieder hat der Hospizverein, die pro Jahr 40 bis 50 Menschen beim Sterben begleiten. „Die Begleitung am Sterbebett ist eine sehr ehrliche Begegnung“, sagt Birgit Berger. Man erlebe dabei tiefe Dankbarkeit, oft lache und weine man dabei gemeinsam.

Lange saßen sie dort und hatten es schwer. Doch sie hatten es gemeinsam schwer, das war ein Trost. Leicht war es trotzdem nicht.

Astrid Lindgren

Dabei sei jede Sterbebegleitung anders, „denn jeder stirbt anders“. Um auf die Arbeit am Sterbebett vorbereitet zu sein, bietet der Hospizverein spezielle Schulungen an, die in etwa 100 Stunden den theoretischen und praktischen Umgang mit Sterbenden vermitteln. Der nächste, bereits achte, Kurs beginnt im kommenden Jahr. Teilnehmer müssen keine besonderen Voraussetzungen mitbringen, „aber sie müssen bereit sein, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, sagt Berger. Die meisten Teilnehmer sind übrigens Frauen, deshalb wären Männer in den Kursen ganz besonders willkommen.

„Wer offene Augen für andere hat, sieht selbst in den Spiegel“, beschreibt Ronald Loot die Erkenntnis und den persönlichen Gewinn, die Sterbegleiter in ihrer Arbeit finden. Neben der Begleitung von Sterbenden unterstützt der Hospizverein aber auch die Angehörigen in ihrer Trauer. Eine spezielle Gruppe kümmert sich um Eltern, die ihre Kinder verloren haben. Bei einem Trauercafé am jeweils ersten Donnerstag im Monat in der Dippelmühle können Betroffene ihre Erfahrungen austauschen. Regelmäßige Vorträge und Informationsveranstaltungen ergänzen die Arbeit des Vereins.

Am 3. Advent findet in der Kirche am Johannesberg ein ökumenischer Gottesdienst für trauernde Eltern statt, der von Pfarrer Holger Grewe und dem Hospizteam vorbereitet wird. „Tod und Trauer werden bei uns an den Rand gedrängt“, sagt Grewe. Er weiß, „der erste Schritt, sich damit auseinanderzusetzen, fällt vielen Menschen sehr schwer“. Der Hospizverein versucht, diesen Schritt ein wenig leichter machen.

Von Kai A. Struthoff

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