Diskussion zur Flüchtlingspolitik: Sprachkurse wichtig

„Jeder kann helfen“

„Global denken, lokal handeln“: Auf dem Podium sprachen Sozialpädagogin Gundula Pohl (von links), Grünen-Bundestagsabgeordnete Nicole Maisch, Klaus Stöcker und Dirk Bohn von der Kreishandwerkerschaft über den Umgang mit Flüchtlingen im Kreis. Foto: Lischper

Bad Hersfeld. „Sie sind zu faul zum Arbeiten und nehmen uns die Arbeitsplätze weg.“ Diese und weitere – teils widersprüchliche – Vorurteile gegenüber Flüchtlingen kamen am Montagabend im „wortreich“ in Bad Hersfeld zur Sprache. Die Partei Bündnis 90/Grüne hatte dort eine Veranstaltung initiiert, um Faktoren der Flüchtlingspolitik zu diskutieren.

Auf dem Podium saßen Dirk Bohn, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg und Kreishandwerksmeister Klaus Stöcker sowie Sozialpädagogin Gundula Pohl, die über die Diakonie Flüchtlinge im Kreis berät und betreut.

Moderiert wurde die Veranstaltung von der Bundestagsabgeordneten Nicole Maisch (Grüne). Was lokal für die gelungene Integration von Flüchtlingen getan werden kann, stand im Mittelpunkt der Diskussion.

Ein positives Beispiel stelle das Projekt „Flüchtlinge und Asylbewerber im Bauhandwerk“ der Kreishandwerkerschaft dar, führte Maisch ein. Das Projekt, das Anfang 2015 in eine neue Runde gehen soll, lotet Interessen und Fähigkeiten junger Flüchtlinge aus und bereitet sie in mehreren Phasen auf eine Ausbildung im Handwerk vor (siehe Hintergrund). Es dient als Lösungsstrategie gegen den Fachkräftemangel heimischer Wirtschaftsunternehmen und gibt jungen Einwanderern zwischen 20 und 30 Jahren eine Aufgabe.

Man müsse die Flüchtlinge aus der Lethargie des Nichtstuns befreien, kam dazu eine Stimme aus dem Publikum. Deutschlehrer Klaus Adamaschek fragte sich, ob das nicht „zu glatt“ klinge: „Vom bemitleidenswerten Opfer werden die Flüchtlinge hier zur brauchbaren Arbeitskraft.“ In der Regel hätten die Neuankömmlinge weder eine Ausbildung noch ausreichende Sprachkenntnisse, warf Kreishandwerksmeister Klaus Stöcker ein.

Jeder kann etwas beitragen

Dass die deutsche Sprache eine Grundvoraussetzung für Integration ist, darüber waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. „Es muss mehr Sprachkurse geben“, forderte Gundula Pohl. Zuhörerin Gabriele Eimer zeigte auf, dass jeder helfen könne: Sie berichtete von ihrem Engagement im Flüchtlingsheim Haus Immensee, in dem sie einmal pro Woche Kinder betreut und sich mit ihnen spielerisch an die deutsche Sprache und Kultur herantastet.

Publikum und Podium ließen die Veranstaltung zu einem parteiübergreifenden Brainstorming werden. Manche Idee lässt sich möglicherweise mit ehrenamtlicher Hilfe umsetzen.

Von Anna Lischper

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