Bad Hersfelder Festspiele: Fechtprobe für Die Drei Musketiere – Donnerstag Premiere

Jeder Hieb muss sitzen

Proben die Kampfszenen: Parbet Chugh (Aramis), Julian Weigend (Athos), Jonas Minthe (D’ Artagnan) und Jonny Müller (Porthos). Foto:  Schankweiler-Ziermann

Bad Hersfeld. Jeder einzelne Schritt ist festgelegt: volle Konzentration. Der Schweiß fließt. „Das ist Hochleistungssport, was die Jungs da machen“, sagt Fechtmeister Klaus Figge. Der Mann hat jahrzehntelange Erfahrung. Beim Fechten machen ihm D’Artagnan und die drei Musketiere nichts vor. „Vorher noch ein Schritt zurück“, ruft Klaus Figge und greift selbst zum Degen. Präzision ist oberstes Gebot, denn hier wird zwar mit stumpfen Degen, aber vollem Einsatz gefochten. Ungefährlich, betont Klaus Figge. Kurz vorher hat Parbet Chugh, der den Aramis spielt, den Degen an der Schläfe gespürt.

Jede Bewegung der Fechtszenen muss den Schauspielern in Fleisch und Blut übergehen, bevor sie am Donnerstag zur Premiere der Drei Musketiere auf der Bühne in der Stiftsruine stehen.

Geprobt wird im kühlen Raum der ehemaligen Quelle-Filiale an der Antoniengasse. Insgesamt sind es neun Kämpfe, die seit Mai einstudiert werden.

Kampf mit Worten

Allein Jonas Minthe (D’Artagnan) hat sieben Gefechte zu absolvieren. Aber Fechten allein ist es nicht: Da kommt der Text dazu, komödiantisch soll er rüberkommen. „Sag’ mal, wäschst du heute noch Wäsche?“, fragt Porthos (Jonny Müller) Aramis (Parbet Chugh), während er ihm fechtend den Mantel D’Artagnans zuwirft. Es ist die erste Begegnung mit den Musketieren.

Jonas Minthe ist fast ununterbrochen im Einsatz, wie alle anderen kämpft er ohne Gesichtsschutz, sein Shirt klebt am Körper. Angst? Nein, Angst hat er nicht, „dann ginge das nicht. Aber Respekt.“ Alle Stöße und Hiebe gehen vorbei, erklärt Klaus Figge. Aber das wird der Zuschauer nicht sehen.

Nächste Szene: D’Artagnan schwingt gleich zwei Degen, springt und rutscht auf dem eigenen Schweiß aus. Zum guten Schluss bekommt er von Constance (Emily Roberts) noch ein Blech über den Schädel gezogen. Trotzdem hat Minthe wie die anderen großen Spaß: „100-prozentig meine Traumrolle“, sagt er. Durch Routine, intensive Proben und absolute Konzentration werde die Gefahr herausgenommen. Alles wird während der Aufführung ganz locker aussehen.

Präzision ist schön und gut, aber was ist, wenn es in Strömen regnet und die Bühnenbretter glatt wie Schmierseife sind? Julian Weigend (Athos) erzählt von einer Regenfassung bei der Inszenierung von „Romeo und Julia“. Doch die wurde auch bei Regen nie gespielt, für die Musketiere gibt es gar keine.

Die reine Kampfzeit beträgt zwar nur zehn Minuten, insgesamt sind die Szenen aber viel länger.

Besonders oft sind die Gardisten (Frank Jordan als Jussac) des Kardinals im Einsatz. Jordan erzählt von den Proben, in den ersten Wochen zweimal pro Tag, auch Samstag und Sonntag wurde gebimst. „Wenn man anfängt nachzudenken, ist es zu spät.“ Mit den Schauspielern kämpfen 25 Komparsen, die über ein Casting zu ihren Rollen gekommen sind.

Komparse seit sechs Jahren

Zum Beispiel Alexander Arnold. Der 22-jährige Komparse aus Bad Hersfeld, einer der Gardisten, wirkt schon seit sechs Jahren immer wieder bei den Festspielen mit. Er probiert gerne mal etwas Neues aus. Fechten findet er cool, und „es sieht auch gut aus“. Recht hat er.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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