Wie die 20-jährige Alena Knauff aus Bad Hersfeld den Erdbebenopfern auf Haiti half

Jeder Tag ist eine Mission

Bilder der Verwüstung: Vor dem vom Erdbeben zerstörten schneeweißen Präsidentenpalast in Port au Prince kampieren die Ärmsten der Armen unter Planen in einer provisorischen Hüttensiedlung. Fotos: Alena Knauff/privat

Bad Hersfeld. Wenn Alena Knauff die Augen schließt, dann hört sie wieder die Musik. Sie spürt, wie der Boden unter den stampfenden Füßen der Tänzer erzittert. Und sie riecht den Staub, die Armut und den Rauch der vielen Feuer. Vier Wochen lang war die 20-jährige Studentin aus Bad Hersfeld als Helferin im vom Erdbeben verheerten Haiti. Die Eindrücke dieser Zeit wird sie wohl nie vergessen.

Alena Knauff ist eine tief gläubige junge Frau. Deshalb besucht sie nach dem Abitur eine Missionsschule in der Schweiz. „Gott kennen und ihn bekannt machen“ ist der Leitspruch von „Jugend mit einer Mission“, einer 1960 gegründeten überkonfessionellen, christlich-missionarischen Organisation. Teil der Ausbildung an der Jüngerschafts-Schule ist ein so genanntes „Outreach“-Projekt, bei dem die Jugendlichen in die Welt hinaus ziehen.

Erst kurz vor dem Erdbeben entscheidet sich Alenas Gruppe auf die bitterarme Karibikinsel zu gehen. Damals ahnt noch keiner die Katastrophe, die da kommen würde. Fast scheint es wie göttliche Fügung. „Ich bin in Haiti Gott ein großes Stück näher gekommen“, sagt Alena Knauff rückblickend. Im Gespräch mit den Überlebenden des Erdbebens habe sie von so manchem Wunder gehört. Von Menschen, die wie durch eine höhere Macht vor dem Tode errettet wurden. „Da ist mir klar geworden, wie real Gott ist.“

Alena gehört zu einer Gruppe von acht Europäern, die nach dem Erdbeben über die Dominikanische Republik nach Haiti einreisen, um zu retten, was noch zu retten ist. Möglich ist all das nur durch Spendengelder, die Alena auch in ihrer Hersfelder Heimat sammeln konnte. Auf dem Gelände eines Waisenhauses campieren die jungen Missionare in Zelten und teilen die Armut mit den Einheimischen. Nur selten gibt es eine Schale Reis mit Huhn, meist ernähren sich die jungen Leute von faden Fertiggerichten.

„Es waren schlimme Verhältnisse, keine Duschen, keine Toiletten, Wasser gab es nur aus Eimern“, erzählt Alena. Und doch ist da, inmitten der Trümmer, auch viel Hoffnung und Herzlichkeit. Alena spielt mit den Kindern, räumt Schutt beiseite, hilft Zelte aufzubauen, verteilt Wasser und Essen. Und sie singt, lacht und betet mit den Haitianern.

„Wir wollten dort niemand die Bibel um die Ohren hauen, sondern wir sind auf die Menschen zugegangen, haben uns auf sie eingelassen und versucht, Freunde zu sein.“

Unheimlicher Voodoo-Kult

Haiti ist tief geprägt von der Voodoo-Religion, die von den Sklaven, die für die französischen Kolonialherren auf den Zuckerrohrplantagen der Insel schuften mussten, aus Afrika mitgebracht wurde. Für viele Weiße ist diese Naturreligion mit ihren Dämonen und Ritualen fremd – ja unheimlich. „Viele Menschen auf Haiti leben in einem Zwiespalt zwischen Gott und dem Voodoo-Kult“, hat Alena erfahren.

Inzwischen ist Alena Knauff seit einigen Wochen wieder in der Heimat. Sie studiert Theologie in Marburg. Auch nach ihrem Studium würde sie gern weiter im missionarischen Bereich arbeiten. Im August will sie aber vorerst wieder zurück nach Haiti gehen. Denn sie vermisst die „Liebe und Herzlichkeit der Menschen“. Und es ist dort noch viel zu tun.

Bis dahin möchte Alena „davon erzählen, was ich erlebt habe und was ich glaube“. Sie hofft auf viele Einladungen von Schulen und anderen Interessierten. „Für mich ist jeder Tag eine Mission“, sagt Alena. Sie spürt, dass ihre Mission noch längst nicht erfüllt ist.

Von Kai A. Struthoff

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