Gaeten Dary und Opportunity International berichten über ihren Kampf gegen Armut

Jedem eine Chance

Jedem eine Chance: Sparkassenvorstand Reinhard Faulstich, Gaeten Dary und Wolfgang Bönsch von Opportunity International und Martin Knauff in der City-Galerie. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Gaeten Dary kommt aus einem kleinen Bauerndorf im Norden von Ghana. Die Böden dort am Rande der staubtrockenen Sahelzone sind ausgelaugt. Es gibt kaum etwas zu ernten. Der Hunger ist oft Gast in den Hütten der Dorfbewohner. Als Geatens Eltern viel zu früh sterben, macht sich der Junge auf in die Hauptstadt, nach Akkra, wo seine Schwester lebt. Gaeten schlägt sich mit Hilfsarbeiten auf dem Markt durch und schläft nachts in seinem winzigen Kiosk, in dem er Telefonkarten verkauft.

Mit Gottes Hilfe

„Mit Gottes Hilfe kann man alles erreichen“, sagt Gaeten rückblickend, „man muss es nur wollen.“ Ein kleiner Kredit der Hilfsorganisation Opportunity International brachte die Wende in seinem Leben. Opportunity heißt Chance – und Gaeten ergreift sie. Er arbeitet sich hoch, steigt auf und gehört jetzt in Ghana zur Führungsriege der auf Mikro-Kredite spezialisierten Hilfsorganisation.

Am Montagabend sprach Gaeten Dary auf Einladung des Bad Hersfelder Geschäftsmannes Martin Knauff (Mode-Centrum Sauer), der Sparkasse und der Hersfelder Zeitung in der City-Galerie über seinen Weg aus der Armut.

Wie ein Prediger verkündete er seinen Botschaft: „Es gibt immer eine Chance, seht mich an, gestern bin ich zum ersten Mal in meinem Leben geflogen“, rief der charismatische Redner dem Publikum zu.

Wie ein kleines Senfkorn, das zu einem großen Baum heranwächst, so funktioniere die Hilfe durch Mikro-Kredite. Ein wenig Geld, durchschnittlich nur 200 Dollar, reicht oft aus, um Saatgut, eine Nähmaschine oder einen Marktstand zu kaufen. Arme werden so zu Kleinunternehmern, die anderen Arbeit und Aufträge geben. „Wenn du einem Menschen hilfst, dann hilfst du vielen“, erläuterte Gaeten das Konzept, dass auch Martin Knauff einleuchtete.

Ganz bewusst gebe er aus christlicher Überzeugung einen Teil seines Wohlstands ab – „denn wenn man gibt, erhält man auch viel zurück“, sagte er. Sparkassen-Vorstand Reinhard Faulstich erinnerte das Konzept der Mikro-Kredite an die Anfänge der Sparkasse, die bei ihrer Gründung vielen armen Bauern oder Handwerkern beim Aufbau einer Existenz half.

Genau darum geht es auch Opportunity International. Die Organisation vergibt nicht nur Kredite, die übrigens fast alle vollständig zurückgezahlt werden. Sie gründet auch sogenannte Trust-Banks. Ähnlich wie Genossenschaften unterstützen und beraten sie die Kreditnehmer, meist sind das Frauen, bei Geschäftsplänen, dem Sparen, mit Versicherungen gegen Naturkatastrophen wie Ernteausfälle aber auch durch Gesundheitsberatung.

Gemeinsam stark

„Herzstück unserer Arbeit sind die Schulungen bei denen wir die Menschen fest an die Hand nehmen und sie begleiten“, erklärt Wolfgang Bönsch von Opportunity International. Obwohl die meisten Mitglieder dieser Trustbank-Gruppen Analphabeten sind, lernten sie schnell und stünden füreinander ein – auch wenn jemand in Zahlungsrückstand gerät.

Das System funktioniert. Dafür ist Gaeten Dary der lebende Beweis. „Ich hatte viel Glück im Leben“, sagt Gaeten heute. Und das ist mehr als ein Junge aus einem Bauerndorf am Rande des Sahel von seinem Leben erhoffen darf. Hintergrund

Von Kai A. Struthoff

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