Musik in der Stadtkirche: Besonders Männerpartien überzeugten beim Weihnachtsoratorium

Jauchzen und frohlocken

Klangvolle Abendunterhaltung: Das Weihnachtsoratorium in der Stadtkirche Bad Hersfeld. Vorn sitzend Kantor Sebastian Bethge, der das Konzert leitete. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Mit Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium BWV 248 macht jeder, Musiker und Hörer, alljährlich seine eigenen Erfahrungen. Das war auch am Sonntagabend in der Bad Hersfelder Stadtkirche so.

Zu den Erfahrungen gehörte zum Beispiel die, dass sich das umfangreiche Geschehen zwischen Weihnachten und dem Epiphaniasfest (6. Januar) von den insgesamt sechs Kantaten auch auf zwei reduzieren lässt, die Kantaten 1 (Ankündigung und Geburt Jesu) und 3 (die Hirten an der Krippe). Der Grund für die Aussparung der Kantate 2 (Engel und Hirten auf dem Feld): Gleich nach dem Fest war nur Zeit für eine einzige Probe aller Klangkörper.

Von diesen sammelte die Hersfelder Kantorei (etwa 60 Sänger) die fälligen Pluspunkte mühelos ein durch ein weites Klangpanorama, zumal in den gedehnten Choralstrophen, durch lockere und transparente Fügung der figurierten Partien, mit einem Wort: durch hingebungsvoll-kontrolliertes Jauchzen und Frohlocken.

Das größte, edelste und sicherste Potenzial unter den Vokalsolisten hatte der Bassist Christoph Liebold parat in seiner „königlichen“ Arie und im Duett mit der Sopranistin, in dem die lieblich-schmalstimmige Anna Gann einmal kurz passen musste. Eine qualitätsvolle männliche Altstimme ist heute keine Seltenheit mehr, was Thomas Riede mit gewandtem und farbigem Vokalgepräge bestätigte. Ein zuverlässiger und auch höhensicherer Berichterstatter war der Tenor Florian Feth in der Evangelistenpartie.

Das Südthüringische Kammerorchester hatte seine Basis in einer ausgeglichenen und geschmeidigen Streichergruppe (Violinsolistin: Almut Seidel). Auch von den weiteren instrumentalsolistischen Positionen war Angenehmes zu hören: von Thomas Vogel und Anna Kirby (Oboe), vom Solotrompeter Björn Diehl und von der Continuogruppe Martin Hess (Violoncello), Christoph Prüfer (Kontrabass) und Barbara Matthes (Orgel). Kantor Sebastian Bethge (auch am Cembalo) hatte den Gesamtapparat gut und sicher im Griff, auch wenn seine Tempi immer mal schwankten. Den Eingangschor gab’s nach einer Stunde als Zugabe für den starken Beifall aus dem voll besetzten Kirchenraum.

Von Siegfried Weyh

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