HZ-Porträt: Hersfelder Günter Schneider erzählt von seinen vielfältigen Reisen

In 35 Jahren um die Welt

Vor dem Buddha-Tempel in Leh-Ladakh sieht man noch aufgeschüttetes Geröll von der Hochwasserkatastrophe im August 2010. Foto: Schneider

Bad Hersfeld. An der halb geöffneten Wohnungstür von Günter Schneider hängt ein auffälliger Zettel. „Ich höre sehr schlecht, kommen Sie einfach herein“, steht darauf.

Der 73-jährige Hersfelder lebt schon seit seiner Geburt in der gleichen Straße und ist Fremden gegenüber sehr aufgeschlossen. „Wenn man viel verreist, dann braucht man das auch“, erklärt er, „ich stelle mich in fremden Ländern auch immer gleich vor, damit die Menschen wissen, mit wem sie es zu tun haben.“

In der Wohnung hängen einige Erinnerungsstücke an vergangene Reisen, indische Schriftzeichen, eine handgeknüpfte Decke aus Peru, geflochtene und geschnitzte Kostbarkeiten sowie eine ganze Reihe Fotografien und Fotokalender.

Seit 1974 in der Ferne

Der ehemalige Postbeamte war schon immer reisefreudig, vor allem nach den Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg drängte es ihn, die Welt kennenzulernen. In 1974 unternahm er seine erste Fernreise nach Norwegen, 1977 schloss sich eine Tour durch Südamerika mit den Stationen Ecuador, Venezuela und Kolumbien an. Im Jahr darauf reiste er erneut nach Südamerika, erweiterte die Ziele nun noch um die Galapagos-Inseln. „Ich kenne Südamerika besser als Deutschland, möchte ich behaupten“, lacht er.

Im Jahr 1979 lernte Schneider in einem Hotel seine spätere Ehefrau kennen, die in Guyana, an der Nordostküste Südamerikas, lebte. „Sie hatte bereits zwei Kinder und war geschieden“, erinnert Schneider sich, „und es gab damals einige Verwirrung, weil sie meine Postadresse verlegt hatte.“ Am Ende siedelte sie mit ihren Kindern nach Bad Hersfeld zu Schneider über und fand auch sogleich Arbeit. „Ich bin in der Zeit bis zu unserer Scheidung zehn Jahre später nicht mehr viel verreist“, berichtet Schneider, allerdings sei er zweimal bei seinen Schwiegereltern in Kanada zu Besuch gewesen. „Zwischen mir und meiner Schwiegermutter lagen 7000 Kilometer.“

Mit Lampe und Papier

Als Single zog es ihn ab 1990 dann wieder in die Ferne. Seither bereist der 73-jährige jährlich das indische Goa, um dort zu „überwintern“. „Ich bin normalerweise von November bis Februar dort.“

So auch wieder am 1. November: Schneider packt gerade seine Koffer und rät allen Reiselustigen, die Indien besuchen möchten, Taschenlampe und Toilettenpapier mitzunehmen. „Das braucht man dort unbedingt!“

Auch in Zukunft möchte er das Land weiter bereisen, bald vielleicht auch in die philippinische Hauptstadt Manila. „Das möchte ich gerne noch erleben“, sagt er, „aber mit 73 Jahren reicht das dann auch.“

Immerhin hat Schneider schon vieles von der Welt gesehen: Die Wasserfälle in Brasilien, das Ballett in Kuba und mit dem Schiff ging es 2005 und 2006 noch an der Mittelmeerküste entlang und von Trinidad bis in die Karibik. Er unternahm Rundreisen nach Vietnam und nach Peru – „Das war herausragend“ – und auch Namibia und Shanghai hat er schon gesehen.

„Ich bin zufrieden und habe sehr viele Fotos, die meine Erinnerung auffrischen“, sagt er mit Blick auf die Bildwand.

Einen Haken haben die vielen Reisen allerdings: Günter Schneider hat kein Auto, denn das ließe sich nicht mehr finanzieren. „Nehmen Sie mich noch ein Stück mit in die Stadt?“, fragt er daher lächelnd und nimmt eine Einkaufstasche mit der Aufschrift „Free Tibet – Freiheit für Tibet“ zur Hand, ein Aufruf zu mehr kulturellem Bewusstsein in der westlichen Welt.

Von Christina Pistor

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