Günter Schneider bereiste den Staat zum 27. Mal – Eindrücke aus dem bunten Land

Mit 77 Jahren nach Indien

Bunte Ware: Obst und Gemüse, die dieser indische Händler anbietet, sind ordentlich aufgereiht. Das Bild zeigt einen typischen Stand an der Straße, bei dem die Reisegruppe um Günther Schneider einfach stehen bleiben musste. Fotos: nh

Bad Hersfeld. Insgesamt 27 Mal war Günter Schneider aus Bad Hersfeld jetzt schon in Indien. Anfang Dezember ist der 77-jährige Weltenbummler, der in seinem Leben schon viele Länder bereist hat, von seiner jüngsten zweimonatigen Reise zurück gekehrt. Diesmal waren der Himalaya und der kleinste indische Bundesstaat Goa sein Ziel. „Seit 1993 reise ich jährlich nach Indien. Ich glaube, ich kenne das Land besser als Deutschland“, erzählt Günter Schneider lachend.

Aufgrund des Pilotenstreiks konnte er erst am 2. Oktober, zwei Tage später als geplant, starten. „Gelandet bin ich in Delhi. Von dort aus fuhr ich mit dem Taxi zehn Stunden nach Kullu“, erinnert sich Schneider. Seine Bekannte, die ihn immer durch die Touren im Himalaya begleitet, wartete dort auf ihn. „Zunächst habe ich mich im Haus ihrer Eltern ausgeruht“, erklärt Schneider. Frischen Mutes begann von Kullu aus dann die Rundreise mit dem Taxi durch das Gebirge.

Besondere Freundschaften

„Begleitet haben mich bei der Fahrt meine Bekannte Babli Kampha, ihre Schwester und ihre Nichten.“ Schneider hatte die Familie kennengelernt, als er vor drei Jahren das erste Mal den Himalaya besuchte. Da Babli wesentlich jünger ist, reisten nun die Verwandten „als Anstandswauwau“ mit. Zwischen den unterschiedlichen Generationen ist aber eine tiefe Freundschaft entstanden: „Wir verständigen uns auf englisch. Die Inder sind alle sehr sprachbegabt“, weiß Schneider und erklärt, dass es in Indien 16 verschiedene Amtssprachen gibt. In Dharamsala angekommen traf die Reisegruppe sogar den Dalai Lama in einem „Goma“, einem buddhistischen Tempel. Bevor er dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter jedoch nahe kommen konnte, musste Schneider den Raum verlassen: „zu viele Menschen, zu stickig“, erklärt er.

Kulinarische Hürden

„Wer Indien bereisen möchte, muss einen guten Magen mitbringen“, weiß Schneider. Oft gäbe es nur gekochten Reis aus tragbaren Kochern. Unterwegs habe die Gruppe aber auch am Straßenrand gegessen. Dort gibt es Reis und das „Dal“, ein Linsengericht, schon für umgerechnet 70 Cent. „Man darf aber auch nicht so genau nachfragen“, erklärt Schneider. Am besten habe ihm eine tibetanische Nudelsuppe geschmeckt, bei deren Zubereitung der Koch die Nudeln mit den Händen in die Suppe getan habe. „Bei uns unvorstellbar.“ Bevor es wieder zurück nach Kullu ging, besuchte die Gruppe außerdem das wunderschöne Kongra Valley mitsamt den verschiedenen Gomas. Insgesamt saß die Reisegruppe sechs Tage lang im Taxi. Zur Erholung ging es dann nach Goa an den Strand, wo Schneider zusammen mit einem Freund aus Deutschland seit Jahren ein festes Apartment bezieht. „Nächstes Jahr möchte ich wieder nach Indien“, erklärt Schneider. In den Himalaya zieht es ihn dann aber nicht noch einmal. „Das war in meinem Alter doch sehr anstrengend“, gibt er zu.

Von Sarah Rössing

Kommentare