Aktion mit Äpfeln und Eiern in der Bad Hersfelder Innenstadt

13 Jahre umsonst arbeiten: Rettungssanitäter machen auf Missstände aufmerksam

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Wollen nicht länger umsonst arbeiten: Mit Äpfeln und Eiern für die Passanten sammelten Rettungssanitäter und Verdi in der Hersfelder Innenstadt Unterschriften und warben um Unterstützung.

Bad Hersfeld. Neuneinhalb Stunden pro Woche, mehrere Wochen im Jahr. Durchschnitt: 13 Jahre. Soviel Arbeitszeit müsse ein Rettungssanitäter ohne Gehalt schuften. Im Schichtsystem Wochenenden, Feiertage, Heiligabend, Silvester.

Daher entschieden sich Sanitäter und die Gewerkschaft Verdi in der Hersfelder Innenstadt unter dem Motto „Für ‘nen Appel und ‘nen Ei sind wir jede Woche 48 Stunden für Sie dabei“, zu demonstrieren. Dazu wurden symbolisch Äpfel und Eier an die Passanten verteilt, während diese mit ihrer Unterschrift Solidarität zeigten. Mit der Aktion wollten sie passend zum Beginn der nächsten Tarifrunde am 20. Juli auf die Probleme aufmerksam machen.

Kerstin Röhrhoff (52 Jahre), Gewerkschaftssekretärin von Verdi Osthessen, erklärt die Aktion: „Von 48 Arbeitsstunden in der Woche werden 38,5 entlohnt. Der Rest gilt als Arbeitsbereitschaft, die Sanitäter müssen aber trotzdem jederzeit für den Einsatz bereit sein.“ Auch die neue Ausbildung missfalle vielen, da Altbeschäftigte sich nun nachschulen lassen müssen. Das ganze Modell sei nicht mehr aktuell. Viel positives Feedback bekommen die Frauen und Männer, die ihre Freizeit für die Aktion opfern. Auch einige der Kinder der Sanitäter sind vor Ort und haben Schilder um ihren Hals gehangen mit der Aufschrift „Mein Papa arbeitet zuviel, ich will ihn mehr zuhause haben.“

Rettungssanitäter Jürgen Wolf kennt diese Probleme: „Man hat im Jahr etliche Wochen für nichts gearbeitet, die Arbeitszeiten lassen kaum genug Regenerationszeit und schädigen das Sozialleben. Und so üppig ist das Gehalt dann auch nicht.“ Der 54-Jährige hofft wie alle hier, dass bei der nächsten Tarifrunde ein verbessertes Angebot vorgelegt wird. Ansonsten müssten am 26. Juli vor den letzten beiden Verhandlungstagen in Stuttgart, eine Großkundgebung und Streiks stattfinden.

Aber auch hier gelte für alle Beteiligten eines: Dass keine Menschenleben gefährdet werden. Denn dies sei der Grund, warum sie für besser Arbeitszeiten und angemessene Bezahlung kämpfen: um effektiver Menschleben retten zu können. (mor)

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