Verein für Internationale Jugendarbeit lädt seit 1991 „Tschernobyl-Kinder“ ein

25 Jahre Sommermärchen

Tschernobyl-Kinder: Ausflüge in die Natur, spielen und toben im Freien, waren von Anfang an ein wesentlicher Bestandteil der Erholungsaufenthalte für die Kinder aus Mogilev. Dieses Bild entstand beim zweiten Besuch im Jahr 1992 während eines Ausflugs nach Schlitz. Fotos:  nh

Bad Hersfeld. Drei Wochen Erholung, gesundes Essen, frische Luft und Herumtollen in freier Natur – das sollen 36 Jungen und Mädchen aus dem weißrussischen Mogilev auch in diesem Jahr wieder erleben können. Zum 25. Mal lädt der Verein für Internationale Jugendarbeit mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Frauen die sogenannten „Tschernobyl-Kinder“ nach Waldhessen ein. Am 24. Juni werden die Kinder im Alter zwischen neun und 14 Jahren mit ihren Betreuern in Bad Hersfeld erwartet.

Hohes Krebsrisiko

Ist denn so ein Erholungsurlaub 29 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl, bei dem die ganze Region verstrahlt wurde, noch notwendig? „Ja, und auch die nächsten 10 000 Jahre noch“, meint Roswitha Alterhoff, Vorsitzende des Vereins. Denn so lange wird die Strahlenbelastung vorhanden sein. „Die Menschen dort haben ein signifikant höheres Krebsrisiko“, weiß Alterhoff. Immer wieder seien Kinder bei den Erholungsaufenthalten dabei, die einen an Krebs erkrankten Bruder oder eine Schwester hätten.

„Natürlich gibt es auch Menschen in Weißrussland, die sich so einen Urlaub selbst leisten können“, räumt Roswitha Alterhoff ein. Die meisten Kinder kämen jedoch aus bedürftigen Familien und hätten sonst keine Chance, einmal herauszukommen und unbelastete Natur zu erleben. Für sie ist der Aufenthalt in Bad Hersfeld eine Art Märchen. So hat es Irene Adolph, die Initiatorin der Aktion, immer wieder erlebt.

Alterhoff versteht die Erholungsaufenthalte auch als Friedensbildung. Die Großväter oder Urgroßväter der Kinder hätten noch gegen die Deutschen gekämpft, die Kinder erlebten nun Deutschland sehr positiv. Viele wollten anschließend Deutsch lernen.

Die Organisation des Erholungsaufenthaltes ist für den Verein für Internationale Jugendarbeit jedes Jahr ein Kraftakt. „Das ganze kostet jedes Jahr 30 000 Euro“, erklärt Alterhoff. Das Geld käme zusammen mit Unterstützung von Sponsoren, durch selbst organisierte Basare oder Waffelbacken bei Tegut.

Viel Großzügigkeit

Dazu kämen viele großzügige Spender, zum Beispiel Geschäftsleute, die die Kinder mit Schuhen oder Kleidung ausstatten. Wir sind immer sehr beeindruckt, wie viel Großzügigkeit da ist“, sagt Alterhoff.

Da die Organisation des Erholungsaufenthaltes auf weißrussischer Seite sehr schwierig und langwierig ist, müssen die Gastgeber immer schon ein Jahr im voraus sicher sein, dass das Geld für den nächsten Sommer vorhanden sein wird, damit sie die Kinder wieder einladen können.

Von Christine Zacharias

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