Richter urteilt schärfer als der Staatsanwalt

12 Jahre Haft im Mordfall Scheib

Fulda. 21 Jahre nach der Ermordung der Feinkostverkäuferin Kerstin Scheib wurde gestern am Landgericht Fulda das Urteil gesprochen: Der Angeklagte muss für zwölf Jahre ins Gefängnis.

Völlig fassungslos nahm der Angeklagte das Urteil entgegen. Unter Tränen beteuerte der 46-Jährige erneut seine Unschuld.

Der mehrfach vorbestrafte Mann aus Dinslaken in Nordrhein-Westfalen soll 1988 die damals 21 Jahre alte Feinkostverkäuferin Kerstin Scheib aus Habgier erschlagen haben, nachdem er in ihrem Auto als Anhalter mitgefahren war. Ihre Leiche war wenig später im Wald bei in Neuenstein-Obergeis gefunden worden. Der Mordfall war neu aufgerollt worden, nachdem DNA-Spuren durch modernere Analysemethoden dem mutmaßlichen Täter zugeordnet werden konnten.

Diese Entscheidung, die gestern Richter Peter Krisch verkündete, ist nicht alltäglich. Sowohl Verteidiger Jochen Kreissl aus Bad Hersfeld als auch Staatsanwalt Werner Stock hatten noch am Montag auf Freispruch plädiert und auf eine „nicht sichere Beweislage“ verwiesen (wir berichteten). Dagegen hatte der Anwalt der Mutter des Mordopfers, die als Nebenklägerin auftrat, für den mehrfach Vorbestraften lebenslänglich gefordert. Zwischen Urteilverkündung und -begündung musste eine Zwangspause eingelegt werden. (kh/red)

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