250 Dinge, die wir an der Region mögen (58): Adelssitz in Kirchheim

328 Jahre altes Schloss

Das Schloss der Familie von Baumbach in Kirchheim. Foto: Miehe

Kirchheim. „Die Familie von Baumbach gehört gegenwärtig nicht nur zu den meist verzweigten und zahlreichsten, sondern auch – durch den persönlichen Charakter ihrer meisten Glieder – zu den am höchsten geachteten Rittergeschlechtern Kurhessens.“ Dies schrieb in den 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts der Archivar Georg Landau in seiner Publikation „Die hessischen Ritterburgen und ihre Besitzer“. Im 16. Jahrhundert war das Adelsgeschlecht derer von Baumbach nach Kirchheim gekommen. 1685 hatte man sich dann das noch heute stehende Schloss gebaut.

Damit darin mehrere Parteien einen Wohnsitz mit eigenem Eingang bekommen konnten, hat man 1896 eine massive Trennwand durch die Quermitte des Schlosses eingezogen - einerseits um die auf sehr weiten Längen frei tragenden Balken in beiden Wohngeschossen zu unterstützen, andererseits um das große Gebäude in verschiedene Wohnhälften zu teilen. So konnten damals mehrere Familienmitglieder das Schloss bewohnen.

Von Amerikanern besetzt

Am 2. April 1945 besetzten die Amerikaner das Schloss und richteten darin ihr Hauptquartier ein. In den Nachkriegsjahren fanden dann bis zu hundert Flüchtlinge und Vertriebene für einige Jahre eine vorübergehende Bleibe im Herrenhaus.

Bis zu ihrem Tode im Jahre 1971 wohnte Margarethe von Baumbach, Witwe des Geheimrates Wilhelm von Baumbach, im Schloss, außerdem Großneffe bzw. Adoptivenkel Bodo mit Familie und einige andere Angehörige. Seit dessen Tod im Jahre 2000 blieb das Gebäude unbewohnt. Hatte doch Sohn Axel von Baumbach 1989 schon im nebenstehenden Gärtnerhaus eine Wohnung bezogen.

Auf dem Gelände des Schlosshofs wird seit dem Ende der Neunzigerjahre jährlich ein Weihnachtsmarkt abgehalten. Und im angrenzenden Park wird seit 2006 ein Osterfest mit Osterfeuer usw. gefeiert. Zudem hat der Heimat- und Kulturverein von Kirchheim auf dem weitläufigen Gartengelände der einst barocken Anlage einen Generationengarten angelegt, in dem Kinder an die Gartenkultur herangeführt werden. Dieses Projekt wurde übrigens 2007 vom Land Hessen mit dem Preis „Familienfreundliche Kommune“ ausgezeichnet.

Axel von Baumbach, der derzeitige Besitzer des jahrhundertealten Erbes, verwaltet als Forstassessor den nahezu 1000 ha großen Waldbesitz; das landwirtschaftliche frühere Rittergut ist seit Jahrzehnten verpachtet. Die Wirtschaftsgebäude wurden in den Neunzigerjahren zu Wohnungen umgebaut.

Auch das Schloss müsste grundlegend saniert werden, aber noch scheitert das Vorhaben an den hohen Kosten. Bleibt zu hoffen, dass sich in den nächsten Jahren eine tragfähige Finanzierungsmöglichkeit für das Kulturdenkmal ergibt, damit das geschichtsträchtige Gebäude erhalten werden kann.

Von Brunhilde Miehe

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