Nora Huetz aus Bad Hersfeld macht ihren Weg als Schauspielerin

Irgendwann die Stiftsruine

Spielen in der alten Heimat: Normalerweise sitzt Nora Huetz (24) im ziemlich rastlosen Karussell der Schauspielbranche. Auf dem Hersfelder Wintermarkt hat sich die Studentin an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam für ein beschaulicheres Modell entschieden. Foto:  Trebing

Bad Hersfeld. Zwischendurch war sich Nora Huetz nicht mehr ganz sicher, ob sie sich wirklich so gut kennenlernen will. Auf einmal musste sie diese ganzen Videos von sich selbst anschauen, sich so sehen, wie sie andere sehen. Keine ganz leichte Kost, wenn man bedenkt, dass schon der Klang der eigenen Stimme für die meisten Menschen unerträglich ist.

Aber wer Schauspielerin sein will, muss diese Vorbehalte gegen die eigene Wirkung überwinden. Und Nora Huetz will, da ist sie sich inzwischen sicher. Vor gut vier Jahren zog die Hersfelderin auf eigene Faust nach Berlin, erzählte ihren Eltern, dass sie studieren würde und besuchte stattdessen Kurse in darstellendem Spiel.

Dann wurde sie 2007 beim ersten Versuch an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam angenommen – dort kommen auf acht Plätze pro Jahrgang hunderte Bewerber. Inzwischen steht sie kurz vor ihrem Bachelor, hat in mehreren TV-Filmen und der Sat1-Telenovela „Anna und die Liebe“ mitgespielt und nun hat sie gerade ein Engagement für das Gerhard-Hauptmann-Stück „Die Ratten“ in Stuttgart bekommen.

Eine Welt voll Schauspielerei

„Früher hatte ich gar keine Vorstellung, was es heißt, Schauspielerin zu sein“, sagt sie. „Ich habe das praktisch mit Starsein gleichgesetzt, dabei ist es ein Beruf mit handwerklichen Grundlagen, die man lernen kann.“

Während sie spricht, lässt die 24-Jährige ihr Gegenüber keine Sekunde aus den Augen. Sie wählt jedes ihrer Worte mit Bedacht und lächelt in genau den richtigen Momenten. Das mit der Außenwirkung hat sie offensichtlich gelernt.

Inzwischen ist ihre Welt von der Schauspielerei bestimmt, von Engagement-Sorgen, großen Egos und Castings, bei denen sie sich wie ein Zirkuspony fühlt. „Manchmal muss man sich ein bisschen runterholen“, sagt Nora Huetz. „Es gibt schließlich noch anderes.“

Ihren Abstecher ins TV-Soap-Universum hat sie als interessante Erfahrung abgeheftet. In 20 Folgen der Telenovela „Anna und die Liebe“ spielte sie neben Jeanette Biedermann eine verwöhnte Milliardärstochter und war überrascht über den Zeitdruck, unter dem an jedem Drehtag eine ganze Episode produziert wird. „Da muss man einfach funktionieren“, erzählt sie. „Es war gut zu sehen, dass ich das geschafft habe.“

Vorsprechen bei Holk Freytag

Obwohl sie schon im Fitnessstudio erkannt wurde und Fanpost aus der Schweiz bekam, gehört der Serienruhm nicht unbedingt zu ihrem Karriereplan. „Man wird zu schnell abgestempelt“, sagt sie. „Ich wäre lieber für etwas bekannt, was ich mir auch selbst gern anschaue.“

In diesem Jahr hat sie sogar bei genau der Produktion vorgesprochen, die ihre Lust auf Schauspielerei erst ausgelöst hat: die Bad Hersfelder Festspiele. Allerdings wollte sie diesmal noch nicht selbst eine Rolle haben, sondern ihr Freund, ebenfalls Schauspieler. Nora hat vor Intendant Holk Freytag seinen Gegenpart gesprochen.

„Irgendwann möchte ich gern in der Stiftsruine spielen“, sagt Nora Huetz. „Aber dann muss es sich richtig anfühlen. Wenn ich hier spiele, will ich es nicht vermasseln.“

Von Saskia Trebing

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