Vorbestraft und unter Bewährung: 33-Jähriger muss wegen neuer Taten hinter Gitter

Irgendwann ist Schluss

Bad Hersfeld. Die besondere Tragik des Falles verkannte das Schöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld keineswegs, als es gestern einen 33-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung und zahlreicher Drogendelikte zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilte.

„Irgendwann ist Schluss,“ stellte der Vorsitzende, Richter Michael Krusche, in der Begründung fest und fügte hinzu, dass alles „sehenden Auges“ geschehen sei. Denn erst 2010 war der drogensüchtige Hersfelder wegen etlicher Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden, die bis April 2013 zur Bewährung ausgesetzt worden war. Damals hatte der Angeklagte versichert, von nun an drogenfrei leben zu wollen.

Doch schon im Laufe des folgenden Jahres war es damit vorbei. Nicht nur, dass der Hersfelder seit 2002 Methadon als Heroin-Ersatz erhält, nein, es musste obendrauf auch noch Marihuana sein. Mindestens 20 Mal hat er das Betäubungsmittel in jenem Jahr für jeweils 30 bis 50 Euro gekauft.

Mit seinem Dealer, einem 44-Jährigen aus Bad Hersfeld, geriet der Angeklagte im April dieses Jahres wegen einer bereits bezahlten, aber nicht gelieferten Bestellung in heftigen Streit. Nachdem man sich zunächst übers Handy beschimpft hatte, liefen sich die beiden in der Dudenstraße über den Weg. Der Dealer soll zwar zuerst zugeschlagen, aber nicht richtig getroffen haben, doch sein Kunde reagierte mit einem Messerstich, der durch zwei Jacken in den Oberarm traf. Die Anklage von Staatsanwältin Christina Dern ging sogar davon aus, dass der Stich zum Hals gezielt war.

Erstaunlich hohe Wirkung

Im Folgenden versuchte der Hersfelder, seinen Stoff selbst zu produzieren. Gemeinsam mit einem Kumpel besorgte er sich eine „Indoor-Pflanzanlage“, die der Familienvater im Kinderzimmer aufstellte. Die Zucht der Hanfpflanzen funktionierte prächtig, doch am Erntetag im Juli schaute auch die Polizei vorbei und stellte mehr als 450 Gramm mit erstaunlich hohem Wirkstoffgehalt sicher. Das reichte für die juristisch bedeutsame „nicht geringe Menge“.

Zwar hörte das Gericht ein leidenschaftliches Plädoyer von Verteidiger Fritz Kramer (Fulda), der auf die lange Drogenkarriere seines Mandanten hinwies und dessen Willen zu einer radikalen Wende herausstellte. Doch die von Kramer erbetene nochmalige Bewährungschance gab es nicht.

Vielmehr folgten Richter Krusche und die Schöffen der Staatsanwältin, die dem Angeklagten zwar dessen Geständnis und die Bereitschaft, gegen den Dealer auszusagen, positiv anrechnete, die aber eine tiefere Einsicht vermisst hatte. Die Höhe der verhängten Strafe ließ eine erneute Aussetzung denn auch nicht mehr zu.

Von Karl Schönholtz

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