Die Hersfelder Opernfestspiele eröffneten diesmal mit einem Operettenklassiker: „Der Bettelstudent“

Wo Intrigen unterhaltsam sind

Der Schwindel um den falschen Fürsten fliegt auf – Skanda (von links) Bronislawa (Ewelina Jurga, gelbes Kleid), Gräfin Nowalska (Gisela Gallander, schwarzes Kleid), Oberst Ollendorf (Gunther Emmerlich), Symon (Michael Chacewicz in Weiß), Jan (Kristian Giesecke) sowie der Hersfelder Festpielchor. Fotos: Landsiedel

Bad Hersfeld. Warum nicht mal Operette? Die Bad Hersfelder Opernfestspiele haben gut daran getan, sich mit Carl Millöckers Erfolgsstück „Der Bettelstudent“ erstmals dieses Genres anzunehmen. Mit eingängigen Melodien, einem hohen Wortanteil und turbulenten Massenszenen passt es bestens in die Stiftsruine.

„Operette ist mir lieber, Schwamm drüber“, ließ sich auch Gunther Emmerlich als Oberst Ollendorf vernehmen, eine Sottise, die hier jedoch auf den Hersfelder Festspiel-Intendanten Dieter Wedel gemünzt war. Der TV-bekannte Sänger und Entertainer machte den Obersten mit raumgreifender Präsenz zum Dreh- und Angelpunkt von Rainer Wenkes Inszenierung und befeuerte die Intrige um den zum Fürsten „beförderten“ Bettelstudenten Symon mit mächtigem, allerdings nicht übermäßig geschmeidigem Bass.

„Ach ich hab’ sie ja nur auf die Schulter geküsst“, klagt Ollendorf, als ihm die junge Laura einen Schlag ins Gesicht versetzt hat, und er beschließt, ihr aus Rache einen falschen Bräutigam anzudrehen. Tatsächlich lassen sich Laura, ihre Mutter, die verarmte Gräfin Nowalska, und ihre Schwester Bronislawa vom Charme des angeblichen Fürsten Wybicki einfangen.

Am Ende ist dennoch Ollendorf der Düpierte, weil er als Krakaus sächsischer Kommandant sich von polnischen Freiheitskämpfern täuschen lässt und Laura mit dem nun rechtmäßig geadelten Symon zusammenfindet. Das Glück ist perfekt, als Bronislawa auch noch dessen Freund Jan abbekommt. So flattern am Ende weiß-rote polnische Fahnen in der Stiftsruine, und die Paare lassen sich vom Schlusschor „Befreit das Land! Geknüpft das Band!“ bejubeln.

Nur wenige Requisiten benötigt Bühnenbildner Bernhard Wieg, um wirkungsvolle Szenerien wie die Krakauer Messe im ersten Akt und das Finaltableau zu gestalten, die durch Ute Krajewskis stilvolle Kostüme eine festliche Wirkung entfalten.

Sängerische Spitzenleistungen darf man nicht erwarten, allerdings gefällt insbesondere Michael Chacewicz als Symon mit seiner hellen, schön geführten Tenorstimme. Nicole Meinhardt ist eine stimmlich sichere, gelegentlich etwas forcierende Laura. Gekonnt vereint sie sich mit Gisela Gallander als Gräfin Nawalska und Ewelina Jurga als Bronislawa zum Terzett „Einkäufe machen sollten wir eigentlich“.

Kristian Gieseke als Jan und Ewelina Jurga legen viel Gefühl in das berühmte Duett „Nur das eine bitt’ ich dich: Liebe mich!“, und Heinz Maraun hat als sächselnder Gefängniswärter Enterich die Lacher auf seiner Seite. In ausgezeichneter Verfassung präsentiert sich der vielfältig zusammengestellte Festspielchor. Die Virtuosi Brunenses begleiten solide, doch der Dirigent Markus Fischer gibt den Sängern recht wenig Raum zur Entfaltung und lässt mit seinem strengen Dirigat nur selten echte Operetten-Leichtigkeit aufkommen.

Das Premierenpublikum in der nicht ganz ausverkauften Stiftsruine spendete dessen ungeachtet freundlichen Beifall.

Wieder heute sowie am 9., 11., 13., 17. und 19.8., Karten: Tel. 06621/ 506713.

Von Werner Fritsch

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