HZ-Interview mit dem unabhängigen Bürgermeisterkandidaten Michael Kreher

Zwischen allen Stühlen

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Bürgermeisterkandidat Michael Kreher

Bad Hersfeld. Michael Kreher kommt auf dem Fahrrad zum Interview mit der Hersfelder Zeitung. Ein Auto besitzt er nicht. „Ich muss sparen“, ruft er fröhlich, „und genau das will ich auch für Bad Hersfeld tun. Der 39-jährige gelernte Koch ist der inzwischen vierte Bewerber um das Amt des Bürgermeisters in Bad Hersfeld. Kai A. Struthoff sprach mit Michael Kreher.

Herr Kreher, viele Hersfelder halten Ihre Kandidatur für einen Jux. Wie ernst gemeint ist Ihre Bewerbung?
Michael Kreher: Sehr ernst, kein Jux, kein Witz – ich ziehe das bis zum Ende durch.

Was qualifiziert Sie für das Amt des Bürgermeisters?
Kreher: Meine Motivation. Ich möchte das Beste für uns alle.

Sie wissen, was das Beste für uns alle ist?
Kreher: Das muss die Bevölkerung entscheiden, ob Sie meine Ideen für die besten hält, dafür hat man ja Wahlen. 

Als Bürgermeister wären Sie auch für das Millionen-Projekt Schilde-Park verantwortlich. Dabei geht es um Verträge, Fördergeld, Vorschriften, Gesetze, Fristen. Trauen Sie sich das zu?
Kreher: Meine Mitbewerber werden auch nicht ganz allein alle Verträge schließen. Dafür hat man ja Berater, die alles überprüfen. Außerdem bin ich weniger anfällig für „Betriebsblindheit“. Weil ich unerfahren bin, bin ich auch wesentlich misstrauischer, lasse alles von verschieden Seiten überprüfen und mache mir dann mein eigenes Bild.

Und was tun Sie sonst noch?
Kreher: Ich gebe die Richtung vor.

Welche ist das?
Kreher: Bad Hersfeld soll schuldenfrei werden. Das Geld soll nutzbringend für alle eingesetzt werden, für Bildungseinrichtungen, für die Sicherung der Zukunft und für Arbeitsplätze mit Anspruch und Perspektive, wo man auch gern hingeht. Billigjobs wie bei den ganzen Paketfirmen bringen es einfach nicht. Die Leute verdienen dort zu wenig, können folglich nichts ausgeben, und deshalb gehen die kleinen Geschäfte ein.

Schulden abbauen und neue Arbeitsplätze schaffen will jeder Politiker. Wie wollen Sie das anstellen?
Kreher: Ich möchte uns von den großen Stromerzeugern unabhängig machen und selber Strom produzieren in Blockheizkraftwerken und Biogasanlagen. Dadurch spart die Stadt Geld und schafft zugleich Arbeitsplätze, auch für die Bauern. Und es ist auch gut für die Umwelt.

Glauben Sie, dass die Unabhängigkeit von den Stromkonzernen als Wahlkampfthema die Menschen hier umtreibt?
Kreher: Ich habe kein Wahlkampfthema, ich sehe das ganzheitlich. Die Menschen wollen ihre Probleme gelöst haben, oder sie auch selber lösen. Das geht mit Arbeit und Geld.

Warum können Sie die kommunale Finanznot beseitigen, wenn das schon viel erfahreneren Bürgermeistern nicht gelingt?
Kreher: Die versuchen es doch gar nicht. Man kann andere Politik machen, andere Politik ist möglich, wenn die Bevölkerung dahinter steht.

Sie meinen, Bürgermeister und Kommunalpolitiker tun zu wenig?
Kreher: Ja, viel zu wenig. Für mich betreiben sie Klienten- und Lobbypolitik.

Sind Sie völlig unabhängig oder stehen Sie einer Partei nah?
Kreher: Ich bin völlig unabhängig, stehe keiner Partei nah und mache meinen eigenen Wahlkampf. Ich bin seit 1996 überzeugter Wahlverweigerer und gehe deshalb nicht wählen. Oder ich mache die Wahlzettel ungültig. Ich stehe politisch in der Mitte und zwischen allen Stühlen.

Ein Wahlkampf ist eine teure Angelegenheit, sie müssen Werbung machen, brauchen Plakate, Flyer. Wer unterstützt Sie?
Kreher: Niemand. Ich mache das allein, aber ich bin sehr günstig, denn ich spare gern, das kann ich. Natürlich ist das ein Handicap, wenn mich jemand unterstützen würde, würde mich das freuen. Ich hoffe aber, dass meine Persönlichkeit auch ohne Plakate an jeder Wand beachtet wird.

Ein Stück weit ist Ihnen das schon gelungen. Der erste HZ-Artikel über Ihre Kandidatur ist im Internet oft kommentiert worden, allerdings auch ziemlich hämisch. Tut das weh?
Kreher: Es lässt mich nicht kalt, aber es wird auch langweilig. Manche Leute tun mir sogar leid, denn es sind immer die selben Kommentare über meine Rechtschreibfehler, aber es wird immer noch zu wenig auf meine Ideen eingegangen. Aber ich sehe das auch als Kompliment. Wenn es nicht mehr zu bemängeln gibt als meine Rechtschreibung, dann ist das doch prima!

Zur Person:

Michael Kreher (39) ist in Niederaula/Mengshausen aufgewachsen, wo seine Eltern ein Restaurant und eine Diskothek betrieben haben. Kreher hat bei der SVG in Kirchheim eine Ausbildung zum Koch absolviert. In dem Beruf hat er „aber eher weniger“ gearbeitet. Kreher hat unter anderem als Elektriker, Dachreiniger, Kernbohrer, Paketfahrer und als Bäcker und Kellner gearbeitet. „Man muss als Bürgermeister von allem was wissen, und ich weiß von allem was.“ Kreher ist geschieden und hat einen 18-jährigen Sohn und eine 17-jährige Tochter, zu denen er aber zu seinem Bedauern nur wenig Kontakt hat. Zurzeit arbeitet Kreher als Küchenhilfe im Curanum. Am liebsten isst er Pizza. Als Hobby nennt er „denken“ aber auch Spiele jeder Art. Er spielt gern Gitarre, „aber ich kann’s nicht“. (kai)

        

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