Chef der Kreisverwaltung spricht über seine ersten Monate im Amt

Interview mit Landrat Dr. Michael Koch: "100 Tage im Krisenmodus"

Seit 100 Tagen im Amt:  Landrat Dr. Michael Koch. Foto: Struthoff

Hersfeld-Rotenburg. Landrat Dr. Michael Koch (CDU) ist heute seit 100 Tagen im Amt. Marcus Janz und Kai A. Struthoff zogen mit ihm eine erste Bilanz seiner Arbeit.

Herr Landrat, Flüchtlingskrise, Sorgen um K+S, Klinikfusion und eine Razzia der Staatsanwaltschaft im Landratsamt - haben Sie sich Ihren neuen Job so vorgestellt? 

Dr. Michael Koch: Nun, es wird mir wenigstens nicht langweilig. Ich wusste ja, dass viel Arbeit auf mich zukommt. Aber bislang komme ich mit meinen Aufgaben ganz gut klar.

Bislang waren Sie vor allem als Krisenmanager gefordert. Hatten Sie überhaupt Zeit, sich in die normalen Aufgaben einzuarbeiten?

Koch: Die aktuellen Ereignisse haben mich stärker gebunden, als ich mir das gewünscht hätte. Deshalb mussten einige strategische Ziele zunächst zurückstehen. Den Pakt für den Nachmittag als Ganztagsangebot an Grundschulen hätte ich zum Beispiel gern persönlich enger begleitet. Und auch den Umbau der Organisation im Landratsamt mussten wir zurückstellen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Elke Künholz? In turbulenten Zeiten wie diesen müssen Sie sich ja auf Ihre Stellvertreterin verlassen können.

Koch: Wir haben einen guten und professionellen Umgang. Die Zuständigkeiten sind klar verteilt. Wir stimmen uns regelmäßig ab, zum Beispiel beim Haushaltsentwurf. Jetzt schauen wir mal, ob die SPD unseren Plan auch mitträgt. Ich hoffe, dass die Sacharbeit mit Frau Künholz parallel zum Kommunalwahlkampf so reibungslos weitergeht.

Die Flüchtlingskrise überschattet im Moment alle anderen Themen. Wie sehr sind Sie persönlich dadurch belastet? 

Koch: Ich war in Wiesbaden, habe viel telefoniert mit den Ministerien und unseren Mitarbeitern, und ich habe Gespräche im Kreis geführt. Das hat mich täglich viel Zeit gekostet und ist so auf Dauer auch nicht leistbar.

Wie erleben Sie die Stimmung in Bezug auf die Flüchtlinge? 

Koch: Die Politik muss klarmachen, dass es in diesem Tempo nicht weitergehen kann. Das erwarten die Menschen. Dieser Massenzustrom ist nicht zu verkraften. Ich selbst habe aber hier im Kreis sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich spüre ein gewisses Grundverständnis für die Lage, und dafür bin ich sehr dankbar.

Inzwischen ist bekannt, dass neben dem Klinikum Bad Hersfeld auch die Rhön-Klinik AG am Herz- und Kreislaufzentrum interessiert ist. Dieser Klinik-Konzern verfügt über sehr viel Geld. Warum will der Kreis mit diesem potenten Bieter konkurrieren?

Koch: Wenn ein privates Unternehmen bei uns investiert, ist das zunächst mal eine gute Sache. Aber der Kreis trägt auch Verantwortung für das Personal im HKZ, und deshalb bieten wir mit. Außerdem glauben wir, dass die Wertschöpfung einer solchen Spezialklinik im Kreis bleiben sollte. Die dort generierten Gewinne können langfristig auch das Klinikum stärken. Ich wünsche mir außerdem, dass wir zusätzlich noch die Zusammenarbeit mit dem Kreiskrankenhaus in Rotenburg forcieren können.

Aber verfügt der Kreis wirklich über genug Geld für die nötigen Investitionen am HKZ?

Koch: Wir haben uns unser Angebot gut durchgerechnet und von unabhängigen Dritten überprüfen lassen. Auch der politische Wille im Kreistag ist parteiübergreifend vorhanden. Das Klinikum hat eine schwarze Null im letzten Geschäftsjahr erzielt, das soll auch so bleiben. Wir denken daher, dass die Übernahme des HKZ eine gute Investition wäre.

Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung? 

Koch: Das können wir nicht erzwingen. Wir haben unser Angebot abgegeben. Jetzt sind die Kommanditisten des HKZ gefordert, das Angebot zu prüfen und dann zu entscheiden. Weil aber auch die wirtschaftliche Lage des HKZ nicht die beste ist, rechne ich Anfang des nächsten Jahres mit einer Entscheidung.

Auch die Mitarbeiter von K+S warten auf eine Entscheidung, ob die Versenkerlaubnis für salzhaltige Abwässer verlängert wird. Wissen Sie schon Näheres? 

Koch: Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir noch vor Weihnachten eine Übergangslösung erhalten werden. Und ich bin auch zuversichtlich, dass längerfristig eine Genehmigung möglich sein kann, wenn das Unternehmen die nötigen Nachweise dafür erbringt. Ich verstehe, dass die Mitarbeiter von K+S wenig Verständnis für die gegenwärtige Situation haben. Aber es ist eben nicht nur eine politische, sondern auch eine juristische Entscheidung. Das Regierungspräsidium kann nur nach Recht und Gesetz entscheiden, und die Gewässerrahmenrichtlinien lassen nur wenig Spielraum. Klar ist, dass das Grundwasser nicht gefährdet werden darf.

Angesichts der Fülle Ihrer Aufgaben, müssen da Fahrten zu einer Preisverleihung für Breitband Nordhessen nach Brüssel wirklich sein?

Koch: Ich überlege mir sehr genau, wo ich hinfahre. Deshalb habe ich auch einige Termine abgesagt. Die Fahrt nach Brüssel war notwendig, und zwar in meiner Eigenschaft als Vorsitzender der Breitband Nordhessen. Immerhin geht es um eine Investition von 143 Millionen Euro. Der Breitband-Ausbau ist für uns alle sehr wichtig, deshalb habe ich dieses Amt auch gern von meinem Vorgänger Dr. Karl-Ernst Schmidt übernommen.

Ihre Frau und Ihre Kinder leben weiterhin in Erfurt. Gelingt es Ihnen, Ihre Familie so oft zu sehen, wie Sie es sich vorgenommen hatten?

Koch: Das funktioniert weniger, als ich es mir erhofft habe. Vielleicht wird das ja noch besser. Aber im Moment sind wir beruflich in einer Art Krisenmodus, und da müssen auch private Dinge zurückstehen.

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