33 Fälle von Cybermobbing wurden im Kreis Hersfeld-Rotenburg seit 2010 registriert

Im Internet am Pranger

Kein Entkommen: Die Opfer von Cybermobbing sind meist völlig verzweifelt, denn durch Facebook und Co. hört die Hetzjagd selbst im eigenen Zimmer nicht auf. Foto:  Theresa Möller /nh

Hersfeld-Rotenburg. Kürzlich erschütterte die Selbsttötung der 15-jährigen Kanadierin Amanda Todd die Welt. Mobbing auf Facebook hatte sie zur Verzweiflung gebracht. Sie nahm sich das Leben, nachdem sie ihre Leidensgeschichte in einem Video veröffentlicht hatte.

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg wurden seit 2010 laut Polizeisprecher Helgo Altenburg 33 Fälle von Cybermobbing registriert, 23 konnten aufgeklärt werden. Die Dunkelziffer liege aber vermutlich noch höher.

Das Internet als soziales Netzwerk bietet Raum für den Austausch von Gemeinheiten und Demütigungen. Ganze Hassgruppen formieren sich in sozialen Netzwerken gegen einzelne Opfer, die bis nach Hause verfolgt werden und nicht zur Ruhe kommen können. Wie Volker Damm von der Opfer-Hilfsorganisation „Weißer Ring“ im Landkreis, erklärt, fällt es den Menschen, versteckt in der Anonymität des Internets, leichter, ihre Aggressionen auszuleben. Wer geschickt ist, dessen Spur sei schwer zurückzuverfolgen.

Verheerende Folgen

Zwar sind die Täter und Opfer meist zwischen zwölf und 23 Jahren alt, doch auch Erwachsene sind häufig betroffen. Weder vor Schülern, noch vor ihren Lehrern mache das Phänomen halt. Erschwerend kommt laut Joachim Belloff vom Kinderschutzbund in Bad Hersfeld hinzu, dass sich Cybermobbing oft in einer rechtlichen Grauzone abspielt. Teilweise werden Straftatbestände erfüllt, doch kaum jemand wende sich mit seinem Problem an die Polizei. Leistungsabfall, Verzweiflung bis hin zu tiefer Depression können Folgen der Jagd im Netz sein.

Die Ursachen für Cybermobbing sind vielfältig. Interkulturelle Konflikte, zerbrochene Freundschaften oder Beziehungen, ja sogar Langeweile nennt Volker Damm als Motive. Daher ist auch die Anzahl weiblicher und männlicher Täter annähernd ausgewogen. Manche Täter seien sich kaum bewusst, welchen Schaden sie anrichten.

Als wesentlichen Bestandteil im Kampf gegen Cybermobbing betrachten sowohl Damm als auch Belloff die Aufklärung über das Problem. Beide erklären, dass das Thema Medien auch in der Schule immer wieder thematisiert werden sollte.

Auch die Polizei versucht, einen Beitrag zur Prävention von Cybermobbing zu leisten. Regelmäßig werden Beamte zur Aufklärung in die Schulen geschickt, so Altenburg, und zahlreiche Organisationen verschicken gern kostenlose Broschüren zum Thema.

Opfer von Cybermobbing können sich jederzeit an zahlreiche Beratungsstellen wenden, etwa beim Weißen Ring oder dem Kinderschutzbund.

Kontakt: Weißer Ring, Telefon 11 60 06, Kinderschutzbund, Telefon 0 66 21/96 60 88.

Von Theresa Möller

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