Bad Hersfelder Festspiele 2013: Heute Premiere des „Tagebuchs der Anne Frank“

Intensives Ein-Frau-Stück

Erschütterndes Dokument der Geschichte: Das 1986 veröffentlichte Tagebuch der hochbegabten Anne Frank ist die Grundlage für die Inszenierung bei den Bad Hersfelder Festspielen, die auch sehr persönliche Seiten der Autorin zeigt. Fotos: Landsiedel

Bad Hersfeld. Als Requisite genügt eine Metallkonstruktion mit einer Grundfläche von etwa neun Quadratmetern, nur zwei Etagen hoch, die Ebenen durch schmale Stiegen verbunden. Gerade so hoch, dass die Hauptdarstellerin Maddalena Noemi Hirschal stehen kann.

Eine Geschichte wie die der jungen Jüdin Anne Frank kommt ohne laute Spezialeffekte aus, sie braucht weder eingängige Musik noch knallige Kostüme. Beinahe die gesamte Spiellänge von anderthalb Stunden steht Maddalena Noemi Hirschal alleine auf der Bühne, ebenso zurückgeworfen auf die eigenen Fähigkeiten wie das literarische Vorbild.

Auf der Suche nach sich selbst

Zu Beginn der Inszenierung von Holk Freytag gibt Heinrich Cuipers noch eine kurze Einleitung. Dann liegt die Hauptdarstellerin auf dem Dach der Metallkonstruktion. Die 30-Jährige ist jetzt wieder ein junges Mädchen voller Träume und Wünsche, schaut in den Spiegel, ist ständig auf der Suche nach sich selbst. „Eine Rolle wie die der Anne Frank kann man nicht einfach spielen“, sagt Maddalena Noemi Hirschal. „Man versucht, das Leben dieses gedankenreichen und klugen Mädchens nachzuempfinden.“

Das Tagebuch der Anne Frank beginnt an ihrem 13. Geburtstag, kurz bevor die Familie Anfang Juli 1942 untertauchen muss und sich in einem Hinterhaus in Amsterdam versteckt. 1944 wird das Versteck an die Nationalsozialisten verraten. Anne Frank stirbt 1945 kurz vor Kriegsende im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Angstbesetztes Wesen

Doch zu keiner Zeit ist die Anne Frank Maddalena Noemi Hirschals ein angstbesetztes Wesen. Im Mittelpunkt ihres Spiels steht nicht das Leid, sondern ein hoffnungsvoller, starker und lebensfroher Mensch. In der Ausnahmesituation des Verstecktseins beschäftigen Anne Frank die erste Liebe, die Pubertät und das Verhältnis zu ihren Eltern.

„Das Tagebuch der Anne Frank“ wird in Bad Hersfeld in der Martinskirche gezeigt. Aber es geht auch auf Tournee durch die Schulen in Hessen. Intendant Holk Freytag will damit nicht nur den Jugendlichen das Theater wieder näherbringen, sondern die wichtige Diskussion um Freiheit, Vorurteile und Religion neu beleben.

Von Emily Spanel

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