Baufirma Kirchner entwickelt mit Projekt-Partnern besonders langlebigen Asphalt

Die intelligente Straße

Sie hält eines der Teile in der Hand, die für eine länger haltende Straße sorgen werden: Bauingenieurin Susan Pagel von der Baufirma Kirchner mit einem Transponder, der auf der Autobahn-Teststrecke hinter ihr erprobt wird. Foto: Stefanie Poppe

Bad Hersfeld. Straßen in Deutschland müssen vieles ertragen. Der Verkehr im privaten Bereich wächst ebenso schnell wie der Güterverkehr, der mittlerweile zu 70 Prozent über die Straße abgewickelt wird. Die Folgen: Schäden, hohe Sanierungskosten und Staus, die die Verkehrsteilnehmer jedes Jahr schätzungsweise über 4 Milliarden Zeitstunden kosten.

„Die Straßen sind den modernen Belastungen des Verkehrs nicht mehr gewachsen“, erklärt Thomas Gallistl von der Baufirma Kirchner in Bad Hersfeld. Das Unternehmen hat dieses Problem bereits vor einigen Jahren in Angriff genommen und ein Projekt angeschoben, dessen Ziel es ist, Asphaltbeläge länger haltbar zu machen.

Aus jedem Teilbereich des Straßenbaus, von der Asphaltmischung über den Transport bis hin zur Maschinenherstellung, wurde ein Partner für das sogenannte PAST-Projekt (kurz für: prozesssicherer automatisierter Straßenbau) gefunden.

„Mit wissenschaftlicher Unterstützung durch die Technische Universität Darmstadt und die Fachhochschule Köln wird so seit Ende 2008 gemeinsam daran gearbeitet, nicht den Baustoff an sich zu verändern, sondern den Bauprozess besser zu machen“, erläutert Thomas Gallistl, der mit für die Koordination des Projektes zuständig ist.

Temperatur entscheidend

Das Bauunternehmen Kirchner ist dabei zum einen für die Vernetzung aller Partner und zum anderen für die Verbesserung des Asphalt-Einbaus auf der Baustelle verantwortlich. Hier insbesondere für die Temperatur des zu verarbeitenden Mischgutes, die von zentraler Bedeutung im Straßenbau ist. Um diese exakt zu ermitteln, muss sie im Kern der eingebauten Verkehrsfläche gemessen werden, um damit beispielsweise die richtige Verdichtungszeit durch die Walzen bestimmen zu können. „Das Schlagwort heißt intelligente Straße“, erklärt Bauingenieurin Susan Pagel, die sich bei Kirchner um die Betreuung des Projektes kümmert, den Einsatz modernster Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Sensorik beim Straßenbau. „Vor der Verdichtung legen wir Transponder ins Mischgut, die die aktuelle Kerntemperatur messen und die dann im Anschluss während des Überfahrens durch die Walze berührungslos gelesen werden.“ Die so gewonnenen Werte werden dem Walzenfahrer in seine Kabine übermittelt und zeigen ihm die noch verbleibende Zeit, denn der Asphalt darf beim Verdichten nicht zu kalt sein.

Bei der Entwicklung dieser Technik beschränkt sich das Bauunternehmen gemeinsam mit seinen Partnern jedoch nicht auf rein theoretische Überlegungen. Auf einem fünf Kilometer langen Teilstück der Autobahn A 4 in der Nähe von Jena werden die Ideen auch dem Praxistest unterzogen. „Wir haben eine Technik, die andere noch nicht haben, und alles gleich auf einer Teststrecke erproben zu können, gab es so noch nicht“, erläutert Carsten Lips die Besonderheit des PAST-Projektes. Das Land Thüringen habe auf seine Anfrage, eine Versuchsstrecke anzulegen, gleich begeistert reagiert, berichtet der Bauingenieur, der das Projekt bei Firma Kirchner leitet.

Eine Million Euro

Diese investiere rund eine Million Euro in die Entwicklung, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wird und seit knapp zwei Jahren läuft. Carsten Lips zieht zur Halbzeit nun eine positive Bilanz: „Alle Verbundpartner im Programm sind schon wesentlich weiter als es vorgesehen war.“

Doch bevor die Technik einmal in Serie produziert wird, wird in den kommenden Jahren noch weiter getestet und ausgewertet bis die Entwicklungen für Ressourcen schonende und wirtschaftlichere Bauweisen genutzt werden.

Von Stefanie Poppe

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