Arbeitsagentur setzt sich für Menschen mit Behinderung bei der Arbeitssuche ein

Integration ist oberstes Ziel

Tobias Wenzel an seinem speziell für ihn ausgestatteten Arbeitsplatz zusammen mit dem kaufmännischen Leiter Georg Wenisch der Firma Leist (Mitte) und Thorsten Wilhelm, Berater für berufliche Rehabilitation in der Arbeitsagentur (links). Foto: nh

Bad Hersfeld/Rotenburg. Die Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda engagiert sich dafür, dass sich jeder Mensch ideal auf dem Arbeitsmarkt einbringen kann. Diese Woche stehen Menschen mit Handicap im Fokus. Zum Anlass wird der Tag der Menschen mit Behinderung am Mittwoch, 3. Dezember, genommen.

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg waren im vergangenen Monat 281 Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Anteil von zehn Prozent an allen Arbeitslosen im Kreis. „Ein Potential, das man bei der Suche nach Fachkräften nicht vernachlässigen darf“, sagt Waldemar Dombrowski, Leiter der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda.

„Entscheidend ist ein Bewusstseinswandel, dass behindert nicht automatisch leistungsgemindert heißt. Wo es nicht ohne spezielle Unterstützung geht, gibt es fachliche Hilfen und Fördermittel, über die wir noch mehr aufklären wollen“, erklärt der Agenturleiter weiter. Gut qualifizierte Arbeitsuchende mit Behinderung seien in allen Berufsgruppen, auch in Engpassberufen, zu finden. Dombrowski ruft Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber dazu auf, den Auswirkungen des demografischen Wandels vorzubauen und behinderte Menschen bei Einstellungen stärker zu berücksichtigen.

Ein positives Beispiel

„Ich bin sehr froh, dass ich einen Ausbildungsplatz in einem echten Betrieb und dann auch noch so ortsnah gefunden habe“, freut sich Tobias Wenzel. Der 21-jährige Kathuser ist stark sehbehindert. Nach der Mittleren Reife besuchte er zunächst die Deutsche Blindenstudienanstalt (blista) in Marburg und absolvierte sein Fachabi in der Fachrichtung Wirtschaft. „In dieser Zeit konnte ich sehr viel Selbstvertrauen gewinnen und bin selbständiger geworden. Das hat mir geholfen, einen Ausbildungsplatz in der freien Wirtschaft zu ergattern. Ich wollte auf keinen Fall in einer speziellen Einrichtung wie einem Berufsbildungswerk landen“, stellt Tobias klar. Und er hat es geschafft: Seit August dieses Jahres ist er Auszubildender zum Industriekaufmann bei Diplom-Ingenieur Heinrich Leist Oberflächentechnik. Unter Einschaltung des Technischen Beraters der Arbeitsagentur und mit einem Zuschuss zur Ausbildungsvergütung sowie der Übernahme von erforderlichen technischen Hilfen und einer Arbeitsassistenz konnte Tobias seine Ausbildung beginnen. Ohne das Engagement seines Arbeitgebers wäre dies nicht möglich gewesen. „Wir freuen uns, dass wir Tobias als Auszubildenden gewinnen konnten. Er ist motiviert und findet sich gut im Betrieb zurecht“, erklärt der kaufmännische Leiter Georg Wenisch. „Wir waren positiv überrascht über die Vielzahl der technischen Hilfsmittel und die Unterstützungsangebote der Arbeitsagentur. Mit diesen Möglichkeiten stellt die Ausbildung auch trotz der Sehbehinderung kein Problem dar. Es ist uns wichtig zu helfen und junge Menschen zu integrieren“, so Wenisch weiter.

Kontakt: Die Arbeitsagentur ist über die kostenfreie Service-Rufnummer 0800 455 55 20 zu erreichen. (red)

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