Diskussionsforum im Interkulturellen Zentrum (IkuZ) mit MdB Michael Roth

Integration keine Einbahnstraße

Bad Hersfeld. „Kanacken, Kameltreiber, Kümmeltürken“ – derartige Schmähungen hören die Fußballer des FC International 09 öfter, wenn sie zu Auswärtsspielen antreten. Und es kommt auch schon mal vor, dass Betreuer Martin Lüer vom Schiedsrichter hört, er habe gerade keine Lust gehabt, den sehr berechtigten Elfmeter für die junge Mannschaft zu geben, die im ersten Jahr ihres Bestehens gleich den Meistertitel gewann und den Durchmarsch in die nächst höhere Klasse schaffte.

Diese Erlebnisse haben Lüer und die Fußballer bewogen, zu einem Integrationsforum ins Interkulturelle Zentrum, das IkuZ, einzuladen, das, möglicherweise in Folge der Debatte um Thilo Sarrazin und seine Thesen, relativ gut besucht war. Doch saßen um den Tisch wieder einmal vor allem die Einheimischen, diejenigen, die der Bundestagsabgeordnete Michael Roth als die Inländer bezeichnet, und wenige Migranten. Die Fußballer waren selbst nicht anwesend, auch auch Göksel Durak, Spitzenkandidat für den Ausländerbeirat, fehlte wegen familiärer Verpflichtungen.

Dabei ist Integration, dessen waren sich alle Gesprächsteilnehmer bewusst, keine Einbahnstraße. Dazu braucht es die einen, die alten Inländer, die den Neuankömmlingen signalisieren, dass sie willkommen sind und sie dabei unterstützen, sich in der fremden Kultur zurechtzufinden. Und es braucht die anderen, die Ausländer, die Migranten, die sich einfügen wollen, die die Regeln und Gepflogenheiten des neuen Landes akzeptieren und es sich zur zweiten Heimat machen. Beides, das wurde im Gespräch deutlich, funktioniert eher selten.

Die alten Inländer, so stellte Michael Roth fest, hätten schon bei der Integration der Gastarbeiter versagt, die vor Jahrzehnten ins Land geholt wurden, um fehlende Arbeitskräfte im Wirtschaftswunder zu ersetzen. Das gelte auch für den Umgang mit den Deutschen aus Russland.

Soziale Fragen

Roth ist überzeugt davon, dass die Integrationsprobleme weniger mit der Religion zu tun haben als vielmehr mit sozialen Fragen. Als Beispiel nannte er die Ausbildungsquote, die bei deutschen Jugendlichen bei 78 Prozent läge, bei jungen Ausländern dagegen bei lediglich 32 Prozent. Eine Ursache dafür sieht Roth in den ungleich verteilten Bildungschancen. Nur etwa die Hälfte der Kinder von Migranten besuchten einen Kindergarten, stellte er fest.

Die Bildung sei also das zentrale Thema. Der Bundestagsabgeordnete machte sich deshalb stark für ein verpflichtendes Kindergartenjahr. Zudem müsse, ergänzte der SPD-Bürgermeisterkandidat Gunter Müller, der Personalschlüssel in Kindertagesstätten mit hohem Migrantenanteil erhöht werden.

Dabei war es allen Gesprächsteilnehmern klar, dass es sowohl auf Seite der Zugewanderten als auch bei den Einheimischen einen gewissen Prozentsatz gibt, der Integration grundsätzlich ablehnt. Betont wurde auch, dass sowohl der Kreis als auch zahlreiche andere Organisationen sehr viel tun, um Migranten die Eingliederung zu erleichtern.

Jede Menge Ideen für die Verbesserung des Zusammenlebens gibt es im IkuZ, auch wenn man dort nicht so recht weiß, warum die türkisch-stämmigen Migranten nicht mehr kommen. Für die Umsetzung der Ideen, so machte Peter Claus deutlich, fehle jedoch die Manpower, eine hauptamtliche Kraft, die den Einsatz der Ehrenamtlichen koordiniert und unterstützt.

Von Christine Zacharias

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