Respekt und Bedauern: Reaktionen aus dem Kreis auf den Rücktritt von Margot Käßmann

Akt der inneren Freiheit

Pfarrer Axel Dück

Hersfeld-Rotenburg. Der Rücktritt der EKD-Ratspräsidentin Margot Käßmann hat im Kreisgebiet für Betroffenheit, aber auch Respekt gesorgt.

„Dieser Schritt entspricht der Größe, dem Charakter und der Geradlinigkeit dieser Frau“, sagte Pröpstin Marita Natt. Sie bedauere und bewundere die Entscheidung von Käßmann. „Sie hat sicher sehr mit sich gerungen, doch sie ist sehr selbstkritisch und wusste, dass sie immer wieder an diesem Fehler gemessen worden wäre.“ Der Rücktritt sei „vor sich selbst aufrichtig und daher großartig.“ Pröpstin Natt ist aber sicher, dass Käßmann auch künftig in wichtigen Fragen nicht schweigen werde. Den Kritikern Käßmanns hält die Pröpstin ein Bibelzitat entgegen: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“

Auch Pfarrer Axel Dück aus Bebra hat „betroffen und erschrocken“ auf den Rücktritt von Margot Käßmann reagiert. „Ihre klare, den Menschen zugewandte Art wird der Kirche fehlen.“ Dennoch sei der Rücktritt nur konsequent und daher richtig – „für das Amt und für sie selbst“.

Ähnlich äußert sich Pfarrer Thorsten Waap aus Heringen. Auch er bedauert den Rücktritt, weil Käßmann die Kirche mit ihrer Person und ihren Worten gut repräsentiert habe. „Aber sie hätte für sich selbst kein Bein mehr an den Boden bekommen“, sagt Waap mit Blick auf den hohen moralisch-ethischen Anspruch von Margot Käßmann. „Ich finde es gut, dass sie nicht am Amt klebt, das wäre in der Politik sicher anders gelaufen“, vermutet Waap.

Als einen Akt innerer Freiheit, der Freiheit eines Christenmenschen, bezeichnet der katholische Pfarrer Bernhard Schiller aus Bad Hersfeld den Rücktritt Käßmanns. „Ich weiß nicht, ob er im strengen Sinne notwendig war. Aber er hat sicher Frau Käßmann persönlich sehr geholfen, und sie hat damit dem eine wirksame Predigt gehalten, der nach seiner eigenen Glaubwürdigkeit fragt. Mit Blick um die Fälle des Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche stellt Schiller klar, dass dieses abscheuliche Verbrechen ganz anders zu bewerten sei, als die „menschliche Schwäche“ Käßmanns. Gleichwohl ringe man auch in der katholischen Kirche um eine notwendige und glaubwürdige Konsequenz aus der Verfehlung. Schiller sieht seine Kirche dabei auf dem „richtigen, aber noch nicht vollkommenen Weg“.

Pfarrer Alexander Warnemann aus Kerspenhausen, der zugleich Medienbeauftragter des Sprengels Hersfeld ist, spricht von einem achtenswerten Schritt, der Käßmann ihre persönliche Freiheit, aber auch die Freiheit des Amtes bewahrt habe. Er erhofft sich nun auch einen Anstoß für eine interne Diskussion darüber, wie die Kirche mit der Frage der Schuld umgehe.

Von Kai A. Struthoff

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