Innehalten, erinnern und feiern

Festakt zum 75-jährigen Bestehen der Hermann-Lietz-Schule Schloss Hohenwehrda

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Dankeschön für Unterstützung: Deuthold von Gaudecker und die Internatsleiterin Sabine Hasenjaeger bei der Übergabe des kleinen Tannenbaums, der künftig auf dem Schulgelände einen Platz finden soll.

Wehrda. 75 Jahre Hermann-Lietz-Schule im Haunetal, das sei ein Meilenstein; das bedeute innehalten und – ein Fest zu feiern, erklärte Schulleiterin Sabine Hasenjaeger und hatte aus diesem Anlass zu einem Festakt eingeladen. In einem Rückblick schilderte die Internatsleiterin die Entwicklung der Lehranstalt während dieser Zeit (wir berichteten).

Die Lietz-Schulen seien stets verbunden mit den Grundfesten, die Lietz seinerzeit angelegt habe; immer unter Einbeziehung der Neuerungen. Selbstverständlich habe es auch „Stolpersteine“ gegeben, aber, so die Schulleiterin: „Hurra, wir leben noch!“

Sabine Hasenjaeger dankte den anwesenden Kollegen in Vertretung aller vorhergehenden für die Unterstützung und die Loyalität, die man ihr während ihrer elfjährigen Amtszeit entgegengebracht habe. Eines habe sie während dieser Festtage besonders gefreut: Bei der Rallye, die anlässlich des Jubiläums veranstaltet wurde, waren Wissensfragen die Lietz-Schulen betreffend gestellt worden, und alle 15 Schülergruppen hatten richtig geantwortet.

Gelebte Reform-Pädagogik

„Hier wird nun seit 75 Jahren Reform-Pädagogik praktiziert“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Lietz-Stiftung Ernst-Friedrich Kellner. Als Hermann Lietz in der zweiten Hälfte des vorletzten Jahrhunderts als Vertreter der Reform-Pädagogik seine Tätigkeit aufnahm, habe sich das gültige Standardmodell schulischer Ausbildung darin verstanden, Fachkräfte ohne allzu signifikante Persönlichkeitsmerkmale auszubilden und für Wirtschaft, Staat und Militär bereitzustellen.

„Die Zeiten haben sich geändert. Heute brauchen wir den aktiven sich einbringenden Schüler.“ Jugendliche sollen dauerhaft lernen wollen, sie sollen motiviert werden, gesellschaftliche Abläufe erkennen und sich selbst verantwortungsvoll in die Gesellschaft einbringen.

In seinem Grußwort wies Bürgermeister Gerd Lang auf die gute Gemeinschaft zwischen Internats-Schülern und -mitarbeitern sowie den Bewohnern der Marktgemeinde hin. „Wo Menschen zusammenleben, müssen Kompromisse geschlossen werden. Das gestaltet sich hier überwiegend stressfrei.“ Er habe auch Gelegenheit gehabt, sich von der guten Versorgung der Schüler insgesamt zu überzeugen. Für ihn sehe das Ganze aus wie ein „Rundum-sorglos-Paket“.

Deuthold von Gaudecker hatte der Schule ein Stück Wald zur Verfügung gestellt, das von den Schülern bewirtschaftet werden soll. Zum Dank überreichte ihm die Institutsleiterin einen kleinen Band, in dem die Tätigkeiten der Jugendlichen dokumentiert wurden. Von Gaudecker hatte zum Gratulieren ein winziges Tannenbäumchen mitgebracht, das seinen Platz nun eben auch auf dem Gelände der Schule finden soll.

Internatssprecherin Luisa hatte sich als Künstlerin betätigt und eine „Festtagstasse“ kreiert, die es zu kaufen gab. Ein Teil des Erlöses gehe an die Einrichtung „Kleine Helden“, das Kinder- und Jugendhospiz Osthessen in Hünfeld.

Von Elfriede Jeuthner

Das Lietz-Internat in Zahlen

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