GEW zum gemeinsamen Unterricht behinderter und nicht behinderter Kinder

Inklusion gelingt nur mit mehr Lehrern

Johannes Batton

Hersfeld-Rotenburg. Die aktuellen Pläne des Kultusministeriums zum gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern, die sogenannte Inklusion, beurteilt Johannes Batton äußerst kritisch. Er ist selbst Förderschullehrer mit langjähriger Erfahrung im gemeinsamen Unterricht behinderter und nichtbehinderter Kinder und Experte für Inklusion im Landesvorstand der hessischen GEW.

Letztlich fehle es der Hessischen Landesregierung am politischen Willen, Inklusion zu einem Erfolg werden zu lassen. Inklusion dürfe nach den Vorstellungen des Kultusministeriums in Hessen nichts kosten. Die geplanten Änderungen seien daher eine schlechte Fortsetzung des bisherigen gemeinsamen Unterrichts mit größeren Klassen, weniger Lehrerstellen und unglaublich aufwändigen bürokratischen Verfahren.

Statt Bedingungen zum Gelingen für Inklusion zu schaffen, werde den Schulen vom Kultusministerium eine Pseudo-Inklusion aufgezwungen, die Lehrkräfte überfordere und Kinder beschädige.

Unterstützung in seiner Kritik erfährt Batton durch ein Gutachten zu den Kosten der Inklusion, das der Bildungsforscher Prof. Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung erstellt und Ende März 2012 der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Dieses Gutachten beziffert allein den zusätzlichen Bedarf für Personal in Hessen mit 380 Lehrerstellen.

Diese zusätzlichen Stellen seien nötig, wenn die bisherige Förderung behinderter Kinder vom Umfang her auch im Regelschulsystem geleistet werde und die meisten dieser Kinder bereits in Regelschulen unterrichtet würden. Der Übergangszeitraum bis zu diesem Zustand müsse, wenn man ihn seriös gestalten wolle, noch teurer werden, erklärte Batton.

Das Fazit von Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung bei Vorstellung der Klemm-Studie: „Inklusion ist notwendig und bezahlbar, aber sie wird dort scheitern, wo Länder sie als Sparmodell betrachten.“ Eine hinreichende Personalausstattung sei neben dem Prinzip der individuellen Förderung die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg und die Akzeptanz von Inklusion. (ank)

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