Hohe Sterblichkeit im Kreis: Kardiologen weisen Schuld von sich

Infarkt: Patienten hören zu spät auf ihr Herz

Hersfeld-Rotenburg. Jede Minute zählt: Ob ein Patient den Herzinfarkt überlebt, ist nicht zuletzt eine Frage des Wohnorts. „Im bundesweiten Vergleich steht Hersfeld-Rotenburg weniger gut da“, sagt Ernst Bruckenberger, der in seinem aktuellen Herzbericht zu dem Ergebnis kommt: Wer in Waldhessen einen Herzinfarkt erleidet, hat schlechtere Überlebenschancen als in den Nachbarkreisen.

„Akuter Herzinfarkt“ - diese Todesursache stand 2008 auf 6,7 Prozent aller Totenscheine. 109 Kreisbewohner starben im gesamten Jahr an akutem Herzinfarkt - die bundesweit vergleichbare Sterbeziffer liegt im Kreis fast acht Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Warum hinkt der Kreis, trotz Herz- und Kreislauf-Zentrum (HKZ) in Rotenburg und Kardiologie im Klinikum Hersfeld, in der Statistik bei der Sterblichkeit hinterher? Entscheidend sei, so Bruckenberger, ob und wie schnell dem Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt ein Katheter gelegt wird. „Genug Messplätze sind im Kreis vorhanden“, sagt Dr. Christian Vallbracht, Direktor der Kardiologie im HKZ, doch viel Zeit gehe dadurch verloren, dass der nächstmögliche Herzkatheter-Messplatz, zum Beispiel in Bad Hersfeld, angesteuert werde, auch wenn dort zu diesem Zeitpunkt eine sofortige Katheter-Behandlung unmöglich sei. Der Chefarzt der Hersfelder Kardiologie, Dr. Reinhard Funck, weist dies zurück: Der Katheter-Messplatz im Klinikum habe viele Menschen vor dem Tod durch Herzinfarkt gerettet, „die so instabil waren, dass sie das HKZ nie erreicht hätten.“

Diejenigen, die gar nicht behandelt werden, stellen laut Herzbericht das größte Problem dar. Wer binnen der „goldenen ersten Stunde“ versorgt werde, habe hohe Überlebenschancen. Dass das oft nicht der Fall sei, bestätigt der Mediziner Vallbracht: „Durch das Zögern des Patienten werden zu viele Minuten verschenkt.“ Zum Tage, Seite 2

Von Pia Schleichert

Kommentare