250 Dinge, die wir mögen (221): Die Bronzefigur vom „Klingelhenner“

Immer, wenn der Ausscheller klingelt

Gut informiert und trinkfest: Der „Klingelhenner“ in Ludwigsau. Foto: Manns

Ludwigsau. In der guten alten Zeit gab es in vielen Gemeinden den Ortsdiener, der mit seiner Schelle an markanten Stellen im Dorf die neuesten Nachrichten aus dem Bürgermeisteramt lauthals der Bevölkerung zur Kenntnis gab. Vorher waren die Anwohner der bekannten Plätze mit seiner Ortsschelle darauf aufmerksam gemacht worden. Daher die Bezeichnung „Ausscheller“.

Da gingen hier und da die Fenster und Haustüren auf und man hörte sich die amtlichen Bekanntmachungen an. Wenn dann alles vorgelesen war und bei großer Kälte im Winter, kam es schon mal vor, dass man den frierenden Ortsdiener auch zu einem Gläschen Schnaps einlud und so für die notwendige innere Wärme sorgte. Dass es an besonders kalten Tagen auch mal ein paar Schnäpschen mehr wurden, bemerkten die aufmerksam zuhörenden Einwohner an der manchmal schweren Zunge beim Vorlesen.

Zur Erinnerung an diese Zeiten hat der ehemalige Ludwigsauer Bürgermeister Wilfried Blum seinen 50. Geburtstag, am 13. Januar 1990 zum Anlass genommen und zwei Bronzefiguren gespendet. Sie stehen seither vor dem Wohnhaus der Familie Heinz am Beginn der Reiloser Straße, kurz nach dem Abzweig von der B 27. Der Standort passt sehr gut zum ehemaligen „Ausscheller“ Heinrich Leist, der dieses Amt in den 1950er-Jahren ausübte und in dem gegenüberliegenden Haus wohnte. Er war damals als der „Klingelhenner“ bekannt.

Zur Erinnerung an den letzten Friedloser „Ausscheller“ im Jahr 1968, sind diese beiden Bronzefiguren aufgestellt worden. Neben dem Ortsdiener steht eine Bäuerin mit einer Milchkanne, die mit ihm ein Schwätzchen hält. Unter dem Arm des „Ausschellers“ erkennt man die Ortsschelle, in der Hand das Papier mit den amtlichen Bekanntmachungen des Bürgermeisters. (GM)

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