Noch ein Fünftel betroffen – Kinderschutzbund bremst Euphorie

Immer weniger Kinder leben von Hartz IV

Hersfeld-Rotenburg. Immer weniger Kinder unter drei Jahren sind auf Grundsicherung angewiesen. Das zeigen Zahlen der Bertelsmann Stiftung, die sich auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg bestätigen. So erhielt im Jahr 2008 noch jedes vierte Kleinkind staatliche Grundsicherung, im vergangenen Jahr dagegen nur noch knapp jedes fünfte.

Mit der von der Bertelsmann Stiftung als Armutsquote bezeichneten Quote von 19,2 Prozent der Kinder liegt der Kreis Hersfeld-Rotenburg knapp über der bundesweiten von 18,2 Prozent im Jahr 2011. Nach Informationen der Bertelsmann Stiftung sank die Armutsquote in Hessen in der Gruppe der Kleinkinder im Vergleich zum Vorjahr von 18,3 auf 16,6 Prozent. Damit bleibe Hessen im Ländervergleich auf Rang vier und unter dem Bundesdurchschnitt von 18,2 Prozent. Vor größeren Herausforderungen stünden die Großstädte Wiesbaden (25,3) und Frankfurt (22,8), heißt es vonseiten der Stiftung.

Nicht nur die Zahl der unter Dreijährigen sinkt, die Anspruch auf Grundsicherung haben. Auch die Zahl der betroffenen Kinder bis 14 Jahre insgesamt ist gesunken: In unserem Kreis seit 2008 um etwa drei Prozent auf 11,5 Prozent aller Kinder bis 14 Jahre (Ende 2011). Das waren mehr als 14 400 Jungen und Mädchen in Waldhessen.

„Wir haben den Eindruck, dass sich noch nicht viel getan hat“, erklärte dazu Joachim Belloff vom Kinderschutzbund. Viele Eltern im Hartz-IV-Bereich seien weiterhin finanziell am unteren Level, zudem seien die Niedriglöhne fast vergleichbar mit Hartz IV.

Vizelandrätin Elke Künholz spricht von einem erfreulichen Rückgang. Dies sei „ohne Zweifel der guten Leistung und dem hohen Engagement unserer Mitarbeiterinnen zuzuschreiben“, erklärte die Sozialdezernentin. Auch in der gut laufenden Konjunktur liege der Rückgang sicherlich begründet. ZUM TAGE, SEITE 2

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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