Kai Heß arbeitet als einziger männlicher Erzieher im Kindergarten der Martinsgemeinde

Immer nur positive Reaktionen

Beim gemeinsamen Frühstück: Der Erzieher Kai Heß am Frühstückstisch der Sternschnuppen-Gruppe im Kindergarten der Martinsgemeinde. Foto: Broy

Bad Hersfeld. Er ist ein Exot auf seinem Fachgebiet: Kai Heß. Der 34-Jährige arbeitet in der Kindertagesstätte der Martinsgemeinde und ist damit der einzige Mann in Bad Hersfeld, der bei der Stadt als Erzieher beschäftigt ist.

„Mir war schon früh klar, dass ein Bürojob nicht meine Erfüllung wäre“, sagt der Vater einer zweijährigen Tochter. Schon für sein schulisches Pflichpraktikum suchte der Hersfelder sich deshalb einen Kindergarten aus. „Viele denken, die Arbeit hier würde nur aus Hei-tei-tei bestehen, das ist Quatsch“, fügt er hinzu.

Ob ihm die Rolle als „Quotenmann“ unter den Erzieherinnen gefällt? „Aus meinem Umfeld bekomme ich nur positive Resonanz. Meinen Job würde ich jederzeit wieder wählen.“ Jeder Tag sei anders. „Es ist toll, zu beobachten, wie die Kinder sich weiterentwickeln.“

Pia Röbke ist Heßes Kollegin, beide betreuen die Sternschnuppengruppe der Einrichtung. „Mit männlichen Kollegen habe ich nur positive Erfahrungen gemacht“, erzählt sie. Seit 30 Jahren ist Röbke im Job. „Männer sind pragmatischer und konsequenter, während Frauen manchmal viel zu lange die Vor- und Nachteile abwägen.“

Als Beispiel nennt sie Elterngespräche. „Männer sind da viel direkter, während Frauen ständig darüber nachdenken, wie sie sich ausdrücken. Da wird um den heißen Brei rumschlawenzelt, während ein Männer klar sagt: Ihr Kind braucht Unterstützung.“

Heß begrüßt den Vorstoß von Familienministerin Kristina Schröder, die mehr Männer als Erzieher gewinnen möchte: „Gerade weil viele Mütter alleinerziehend sind, wären mehr männliche Bezugspersonen für sie wichtig.“ Auch Röbke fände das „sinnvoll.“ Demnächst wird Heß die Einrichtung wechseln und im neuen Amzonia-Kindergartenarbeiten.

Von Sonja Broy

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