Verbraucherinsolvenzen: 2014 leichter Anstieg im Landkreis

Immer mehr Junge in der Schuldenfalle

Dr. Rolf Schwarz

Hersfeld-Rotenburg. Teure Handy-Verträge und zu viele Bestellungen beim Versandhandel – so geraten auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg immer mehr jüngere Menschen in die Schuldenfalle.

Diesen Eindruck gewinnt Dr. Rolf Schwarz, Leiter der Insolvenzabteilung am Amtsgericht Bad Hersfeld, beim Blick in die Statistik 2014. 200 Verfahren von überschuldeten Privatpersonen wurden im vergangenen Jahr neu eröffnet, das sind 16 mehr als 2013 – ein Plus von 8,7 Prozent.

Hintergrund ist nach Schwarz’ Einschätzung eine Gesetzesreform, die eine Restschuldbefreiung bereits nach drei Jahren ermöglicht, wenn 35 Prozent der Forderungen beglichen werden. Bisher dauerte eine Verbraucherinsolvenz bis zum Erlass des Schuldenrestes mindestens sechs Jahre.

Den Einkommensverhältnissen nicht entsprechender Konsum, das ist nach den Erfahrungen von Schwarz die häufigste Ursache für finanzielle Schieflagen von Privatpersonen. „In den meisten dieser Fälle ist für den bloßen Lebensunterhalt kaum genug Geld vorhanden, also ein Konsum im Grunde unmöglich“, sagt der Jurist. Doch trotz des geringen Einkommens würde im Internet bestellt und ein Smartphone angeschafft. Als weiteren Grund nennt Schwarz gescheiterte Finanzierungen von Wohneigentum. Ausgangspunkt sei hier oft die Trennung von Eheleuten oder Lebenspartnern.

Wann bei finanziellen Problemen der richtige Zeitpunkt ist, Hilfe von außen zu suchen, das lässt sich laut Schwarz nicht pauschalisieren. „Aber wenn die Schulden immer mehr werden statt weniger, dann ist es sicher günstig, sich beraten zu lassen“, sagt der Richter. Bevor man aber ein Insolvenzverfahren beantrage, sei der Gang zu einer Schuldnerberatung der richtige Weg. (ks) Zum Tage, Artikel rechts

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