Pro familia berät Eltern und pädagogische Fachkräfte zum Thema Missbrauch

Immer genau hinsehen

Bad Hersfeld. Offensiv gegen sexuellen Missbrauch will die Beratungsstelle pro familia in diesem Jahr verstärkt vorgehen. Schon bisher wurden regelmäßig Informationsabende angeboten, an denen Eltern vermittelt wird, was sie tun können, um ihr Kind vor sexuellem Missbrauch zu schützen und an welchen Signalen sie möglicherweise erkennen können, wenn ihr Kind missbraucht wird. Der nächste Abend findet im Juni statt, kündigt Viola Bornmann an.

Inzwischen gibt es aber auch verstärkt Fortbildungen – für Erzieherinnen, für Mitarbeiter in der Jugendhilfe oder auch für Bürgermeister, die als Träger von Kindertagesstätten ganz wesentlichen Einfluss darauf haben können, wie mit dem Thema Missbrauch umgegangen wird, sollte denn der Verdacht entstehen.

Langsam und mit Bedacht

„Wenn man einem sexuell missbrauchten Kind schnell helfen will, muss man langsam und mit Bedacht vorgehen, denn häufig hat man für lange Zeit nur diese eine Chance“ – dieser Satz spielt für Sabine Koch bei Fortbildungen eine zentrale Rolle. Sie empfiehlt deshalb dringend, professionelle Hilfe bei einer Beratungsstelle zu suchen, um nicht durch vorschnelle Aktionen dem Kind noch mehr Schaden zuzufügen oder gar eine Familie unschuldig unter Verdacht zu stellen.

Denn alle Merkmale, die auf einen möglichen Missbrauch hinweisen, wie zum Beispiel Verhaltensänderungen, einnässen, Rückentwicklung oder Schlafstörungen können auch andere Ursachen haben. Sabine Koch spricht deshalb von einem Balanceakt zwischen der Hypothese und der Realität.

Koch und Bornmann empfehlen deshalb, immer genau hinzusehen und alle Informationen sorgfältig abzuwägen und von mehreren Seiten zu betrachten. Wichtig sei es aber auch, dass Lehrkräfte und Erzieherinnen die Möglichkeit eines Missbrauchs im Kopf hätten, wenn ihnen Veränderungen an einem Kind auffielen. Sexualerziehung sollte, so fordert die pro familia, Teil der Aus- und Fortbildung sein.

Genau hinsehen, sorgfältig zuhören und ihre Kinder ernst nehmen – das ist auch der Auftrag an die Eltern. Wer jedes Bauchweh seines Kindes als Gezicke abtut, wer Abneigungen gegen Trainer, Lehrer oder Verwandte nicht akzeptiert, der vermittelt Kindern, dass ihnen ohnehin nicht geglaubt wird.

Und noch einen Hinweis gibt Viola Bornmann Eltern, die ihr Kind schützen wollen: „Kinder, die im klassischen Sinne aufgeklärt sind und ihre Körperteile benennen können, können eher sagen, was mit ihnen gemacht wird.“

Die Folgen eines sexuellen Missbrauchs, das wissen Viola Bornmann und Sabine Koch, sind immer dramatisch und belasten die Opfer ihr ganzes Leben lang.

Kontakt: pro familia, An der Untergeis 12 in Bad Hersfeld. Tel. 06621/918911

Von Christine Zacharias

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