Montagsinterview mit Ina Rumpf, der Pressesprecherin der Bad Hersfelder Festspiele

Immer gelassen bleiben

Auch der Hund hat Durchblick: Festspiel-Pressesprecherin Ina Rumpf mit ihrem Mischlingshund Don beim Interview in der Festspielkantine. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Im Stiftsbezirk krachen klirrend Schwerter aufeinander. Das Ensemble von King Lear trainiert vor der Ruine die Kampfszenen. Andere Schauspieler erholen sich in der Kantine bei einem ersten Kaffee von langen Nachtproben. Auch für Ina Rumpf, die Pressesprecherin der Bad Hersfelder Festspiele, sind die Tage vor der Premiere lang. Trotzdem fand sie Zeit für ein Interview mit Kai A. Struthoff.

Frau Rumpf, Schauspieler haben vor der Premiere Lampenfieber. Wie geht es der Pressesprecherin?

Ina Rumpf: Ich versuche gelassen zu bleiben, wie die Schauspieler auch. Wir arbeiten derzeit am Programmbuch, wenn dann beispielsweise Regen die Fotoproben behindert, dann kriege ich schon Lampenfieber und sorge mich darum, ob alles rechtzeitig fertig wird.

Wie sehen für Sie die letzten Tage vor der Premiere aus?

Ina Rumpf: So ähnlich wie bei allen anderen: Wir fangen morgens gegen früh an und hören auf, wenn wir fertig sind – das kann auch mal 2 Uhr morgens sein.

Holk Freytag hat als Intendant einen sehr eigenen Kopf. Das ist für die Pressesprecherin sicher herausfordernd, oder?

Ina Rumpf: Ich mache Presse und Marketing, und Holk Freytag macht das „Produkt“, das ich vermarkten soll. Er prägt es, und er hat hohe Ansprüche an die Produktionen. Die Festspiele sind da wie andere hochwertige „Marken“ auch – sie funktionieren nur, weil da einer ist, der sagt, wie es läuft. Ich bin dabei völlig uneitel und folge seinem Kurs. Holk Freytag ist ein hervorragender Dramaturg. Als langjährige Radiojournalistin verstehe ich ein wenig von Dramaturgie. Aber von ihm kann man sehr viel lernen.

Mit Volker Lechtenbrink und Michael Schanze haben wir in diesem Jahr zwei ganz besonders bekannte Schauspieler hier. Wirkt sich das auch auf das überregionale Medieninteresse aus?

Ina Rumpf: Es gibt viele Anfragen, auch von großen Fernsehsendern. Alle wollen mit den beiden Interviews machen und hier am liebsten ganze Tage drehen. Das funktioniert bei dem engen Probenplan natürlich nicht. Deshalb werden wir nach den Premieren die großen Medientermine machen.

Ist die Resonanz größer als im vergangenen Jahr?

Ina Rumpf: Ja, das merkt man auch an der Auswertung der Printmedien. Die großen Namen ziehen. Wir haben rund 150 Akkreditierungen von Journalisten aus ganz Deutschland. Ich finde es nur ein bisschen traurig, dass viele Vorberichte sich jetzt noch häufig auf die etwas fülligere Figur von Michael Schanze oder die früheren Kontroversen von Volker Lechtenbrink mit dem ehemaligen Bürgermeister beschränken. Ich freue mich deshalb auf die Phase, wenn alle sehen können, was die Schauspieler auf der Bühne leisten.

Sie sind Journalistin und haben früher selbst über die Festspiele berichtet. Was hat Sie dazu bewogen, die Schreibtischseiten zu wechseln?

Ina Rumpf: Ich arbeite seit 1980 als Radiojournalistin und wollte irgendwann auch mal etwas anders machen. So bin ich zur Kommunikationsberatung gekommen und habe dabei schon früher mit Kultur zu tun gehabt. Als ich dann aus privaten Gründen zurück in die Region gekommen bin, habe ich die Festspiele für mich als ideale Kombination empfunden. Denn ich kann nur etwas „verkaufen“, wozu ich hundertprozentig stehe. Bei den Festspielen ist das der Fall.

Kribbelt es nicht trotzdem ab und zu, mal wieder selbst Interviews oder Portraits zu machen?

Ina Rumpf: Ja, schon, aber es ist jetzt Teil meines Jobs, Themenideen an Kollegen weiterzugeben. Das macht mir deshalb auch nichts aus.

Ärgern Sie sich auch manchmal über die früheren Kollegen?

Ina Rumpf: Ja, zum Beispiel wenn Pressekarten für eine ausverkaufte Veranstaltung bestellt und dann nicht abgeholt werden, obwohl gleichzeitig noch Gäste gern rein möchten, aber keine Karten mehr kriegen.

Ärgern Sie sich über schlechte Kritiken?

Ina Rumpf: Nö, dafür bin ich zu sehr Journalistin. Das fällt unter die Pressefreiheit.

Und was ist die größte Angst der Pressesprecherin fünf Tage vor der Premiere?

Ina Rumpf: Dass jemand Wichtiges krank wird und ich eine Pressemeldung darüber schreiben muss und damit dann viele Zuschauer enttäusche. Bei diesem Wetter werde ich deshalb immer ganz unruhig, wenn jemand niest.

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