Italiener in Bad Hersfeld haben wenig Hoffnung auf Veränderung in ihrem Heimatland

„Immer nur Bunga Bunga“

Enzo Lisi Foto:  Deppe

Bad Hersfeld. Die Wahl in Italien ist vorbei. Die Regierung von Ministerpräsident Mario Monti ist abgewählt. Doch von klaren Verhältnissen keine Spur in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone hinter Deutschland und Frankreich.

Während das Mitte-Links-Bündnis von Pier Luigi Bersani die stärkste Partei im Abgeordnetenhaus wird, erhielt die Mitte-Rechts-Allianz des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi die Mehrheit im Senat – und somit die Möglichkeit, Reformen Bersanis zu blockieren. Wir haben bei einigen Bad Hersfelder Italienern ein Stimmungsbild eingefangen.

Enzo Lisi, Geschäftsführer des „La Garda“ am Neumarkt, war besonders überrascht über den Erfolg der Protestpartei des ehemaligen Komikers Beppe Grillo: „An den hatte niemand gedacht, aber seine Einschätzungen zur Lage des Landes sind wenigstens realistisch.“

Besserer Blick

Lisi hätte eine Nominierung des florentinischen Bürgermeisters Matteo Renzi als Spitzenkandidat des Mitte-Links-Bündnis erfolgversprechender gefunden. „Junge Menschen wie Renzi haben einen besseren Blick für die Probleme in der heutigen Zeit“, sagte er. „Jetzt haben wir einen links, einen rechts, einen der gegen alles ist, und sie alle wollen nur die eigenen Taschen füllen.“ Düster ist daher sein Ausblick in die Zukunft: „Ich erwarte, dass Italien in einem halben Jahr wieder wählen muss.“ Lisi, der seit 1976 in Deutschland lebt, hat wegen mangelndem Vertrauen in die Politiker selbst nicht gewählt. „Bei denen geht es doch immer nur um Geld und Bunga Bunga“, sagt er.

Für Salvadore Vella, Geschäftsführer des „La Favola“ am Hanfsack, ist die Rückkehr von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi eine Verbesserung der politischen Lage. „In jedem Fall besser als Mario Monti“, sagt er. Darauf, dass sich etwas an der Lage des finanziell angeschlagenen Landes ändert, hat er wenig Vertrauen: „Die Italiener wollen doch vor allem eins: weniger Steuern zahlen. Und davon gab es unter Monti zu viele.“

„Ich traue da keinem“

Noch radikaler sieht es ein Gaststättenbetreiber aus der Innenstadt, der namentlich nicht genannt werden möchte: „Mich interessiert die Politik in Italien nicht. Ich traue da keinem. Die Politiker haben nur ein Interesse: Geld scheffeln. Und das zahlen dann die Bürger mit den Steuern.“

Knapp 180 Italiener leben im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Das entspricht in etwa einem Anteil von 0,15 Prozent an der Gesamtbevölkerung.

Von Lasse Deppe

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