Wie der SV Kathus mit Freunden aus Thüringen zum Fußballspiel nach München fuhr

Im Ikarus zu den Bayern

Roland Stemm, Mario Schuur und Andre Möller aus Leimbach freuten sich auf das Spiel in München. Schon am Vorabend wurde der Ikarus-Bus mit Proviant beladen. Auch das Spruchband „Leimbach /Thür. grüßt den FC Bayern“ durfte nicht fehlen. Foto: Archiv Rolf Roth

Kathus. Schon kurze Zeit nach der Grenzöffnung entstanden zwischen den Sportlern des SV Kathus und dem thüringischen Verein Leimbach bei Bad Salzungen viele Kontakte. Dabei kam der Gedanke auf, ein Heimspiel des FC Bayern München zu besuchen. Um die Fahrt zu finanzieren, wurden die Kosten aufgeteilt, denn es gab noch unterschiedliche Währungen in Ost und West.

Die Leimbacher, die schon lange einen inoffiziellen Bayern-Fan-Club hatten, waren für die Kosten der Busfahrt und der Verpflegung zuständig und die Kathuser übernahmen die Eintrittsgelder. So brauchten die Thüringer kein Westgeld.

Mehrmals musste mit dem Busbetrieb in Bad Salzungen verhandelt werden, bis die Reise gebucht werden konnte, denn es war immer noch eine Fahrt ins kapitalistische Ausland. Für 46 Personen wurden Karten bestellt. Alle 26 Leimbacher wollten Stehplätze im Olympiastadion in der Südkurve. „Das war schon immer mein Traum, einmal in dieser Menge zu stehen“, erklärte Horst Jeschke aus Leimbach.

Im Schneckentempo

Der Ikarus-Bus war pünktlich in Kathus und die Begrüßung fiel herzlich aus. Aber ich war erschrocken, als ich erfuhr, dass 28 Teilnehmer aus Thüringen dabei waren. Da 20 Personen aus Kathus mitwollten, fehlten zwei Sitzplätze. „Da stellen wir zwei zusätzliche Klappstühle in den Gang“, meinte der Busfahrer. Damit war ich nicht einverstanden. Schnell entschlossen holte ich mein Auto. „Ich fahre mit meiner Frau mit dem PKW hinterher.“ Bis zum Rastplatz Rhön hielt ich das durch. Der Bus mit wenig PS schlich die Berge in der Rhön hinauf, mit 30 Stundenkilometern hinterherzufahren war schwierig. Ich fuhr also Richtung Olympiastadion München und wartete auf den Bus. Der kam erst kurz vor Spielbeginn an.

Da das Spiel nicht völlig ausverkauft war, bekamen wir noch Karten für die unerwarteten Bus-Mitfahrer. Kaum waren wir im Stadion, fing das Spiel Bayern München gegen Eintracht Frankfurt an. Namen wie Jürgen Kohler, Klaus Augenthaler, Stefan Reuter und Thomas Strunz auf Bayern-Seite und Uwe Bein, Uli Stein, Karl-Heinz Körbel, Manfred Binz und Ralf Falkenmeyer bei der Eintracht blieben in Erinnerung. Die Eintracht stellte das bessere Team, verlor aber durch ein Tor von Thomas Strunz mit 1:0, sehr zur Freude unserer Bayernfans.

Nach dem Spiel hatte ich mit Eintracht Trainer Jörg Berger, selbst Flüchtling aus der DDR, und den Leimbachern ein kurzes Gespräch in den Katakomben des Stadions vereinbart. Nur meine Thüringer erschienen nicht. Nach zehnminütiger Wartezeit musste Berger zur Pressekonferenz. Als ich meine Mitfahrer am Bus traf, erklärten sie, dass sie sich nicht zu dem Gespräch mit einem Bundesligatrainer getraut hätten.

Erst weit nach Mitternacht traf der Bus wieder in Kathus ein. Leicht lädiert durch die harte Busfederung kletterten die Osthessen aus dem Ikarus. Als die Leimbacher zu Hause waren, wurden die restlichen Essens- und Getränkevorräte vertilgt. Eine einmalige Fahrt ging zu Ende, die Wessis und Ossis in dauernder Erinnerung geblieben ist.

Von Rolf Roth

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