Facebook in der Schule: Sollten Schüler und Lehrer im Internet Freunde sein?

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Grundsätzlich positiv: Lars Förster und Christine Fuchs-Hannappel schätzen den Facebook-Kontakt mit Schülern.

Bad Hersfeld. Lars Förster würde auch einen Zettel ans schwarze Brett hängen. „Ich mag Metal-Musik, bei der viel geschrien wird“, könnte darauf stehen. Oder: „Ich habe einen ziemlich interessanten Artikel gelesen.“

Diese Botschaften des Englischlehrers hängen natürlich nirgendwo in der Modellschule Obersberg. Aber sie stehen im Internet auf Försters Facebook-Seite, lesbar für alle seine Internet-Freunde - auch für einige seiner Schüler.

Weil die sozialen Netzwerke inzwischen in den allermeisten Bereichen unseres Lebens angekommen sind, stellen sich auch in der Schule neue Fragen. Was tun, wenn ein Schüler sein Schwänzen auf seiner Facebook-Seite ankündigt? Und sollten Schüler und Lehrer überhaupt virtuell befreundet sein?

Lars Förster hat eine einfache Regel parat: „Alles, was man in der Öffentlichkeit tun oder sagen würde, ist auch im Netz okay“, sagt er. „Man kann sich immer fragen, ob man das, was man schreibt, auch als Plakat aufhängen würde.“

Förster, der einer von drei Vertrauenslehrern im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist, sieht kein Problem darin, der Facebook-Freund seiner Schüler zu werden. „Ich frage nicht von mir aus“, sagt er. „Aber wenn mir jemand eine Freundschaftseinladung schickt, nehme ich sie an.“

Facebook ist Teil des Büros

Auch die Schulsozialarbeiterin Christine Fuchs-Hannappell ist umtriebig in den digitalen Facebook-Fluren. Sie lädt Fotos von Veranstaltungen hoch und kommentiert Politikthemen und die Gedanken ihrer Netz-Freunde. „Für mich ist Facebook ein Teil meines Büros“, sagt sie. „Es ist der schnellste Weg, um meine Schüler zu erreichen.“

Dass die Schüler umgekehrt auch zu ihren Lehrer-Freunden sprechen, scheint nicht allen jederzeit bewusst zu sein. Und so kommt es auch vor, dass sie ihre Schwänz-Absicht bei Facebook kundtun und der Welt mitteilen, dass sie im Café statt in der Mathe-Stunde sitzen. „Beim ersten Mal schreibe ich: ,Gefällt mir nicht’ drunter, damit sie sehen, dass ich es lese“, erzählt Christine Fuchs-Hannappel. „Aber wenn es öfter vorkommt, müssen wir natürlich Gespräche führen.“

Eine offizielle Richtlinie zum Internet-Verhalten von Lehrern gibt es bisher nicht. Laut hessischem Kultusministerium gilt „die pädagogisch professionelle Distanz zwischen Schülern und Lehrern.“ Auf dem Schulhof genauso wie im Chatraum.

Auf den gesunden Menschenverstand setzen auch die Obersberg-Schülerinnen Anna Iber und Alina Litzenbauer. Beide sind mit Lehrern befreundet und benutzen Facebook-Gruppen für ihre Kurse. „Das ist okay, weil jeder selbst entscheidet, was er preisgibt“, sagt Anna Iber. „Wenn jemand peinliche Fotos hochlädt, die die Lehrer sehen, ist er doch selbst schuld.“

Auch Lars Förster hat schon Schülerbilder entdeckt, auf die er lieber verzichtet hätte. Doch dass die Schüler und Lehrer gläserner werden, führt auch zu angenehmeren Überraschungen. „Man lernt sich anders kennen“, sagt er. „Ohne Facebook wüsste ich nicht, dass eine meiner Schülerinnen Blitzschach-Meisterin ist.“ †  Artikel Unten, Umfrage, Hintergrund

Von Saskia Trebing

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