Interview mit Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt (CDU) über die Zukunft des Landkreises Hersfeld-Rotenburg

„Ich versuche lieber zu handeln“

Interview-Termin: Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt (Mitte) stand den Redakteuren Gudrun Schankweiler-Ziermann und Kai. A. Struthoff Rede und Antwort zum Ende des Bundeswehr-Standorts Rotenburg und zum Streit um psychosomatische Akutbetten. Foto: Adam (nh)

Hersfeld-Rotenburg. Heute beschäftigt sich der Kreistag in einer Sondersitzung mit der BundeswehrstandortEntscheidung und ihren Folgen für die Region. Gudrun Schankweiler-Ziermann und Kai A. Struthoff sprachen im Vorfeld der Sitzung mit Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt (CDU) über die Zukunft des Landkreises.

Herr Dr. Schmidt, die Nachricht über das Ende des Bundeswehrstandorts Rotenburg haben sie als „kalte Dusche, die erstmal verdaut werden muss“ bezeichnet. Seither haben wir nichts von Ihnen gehört. Ist das nicht etwas wenig?

Dr. Karl-Ernst Schmidt: Ich bin kein Freund von öffentlichen Verkündigungen, sondern ich versuche lieber zu handeln. Wir und alle Fachleute haben diese Entscheidung so nicht erwartet. Trotzdem habe ich aber sofort angefangen, nach vorn zu blicken und erste konkrete Gespräche geführt, nicht zuletzt mit dem Ministerpräsidenten. Alle haben mir ihre Unterstützung zugesagt, weil Rotenburg bei der Entscheidung benachteiligt worden ist.

Den ehrlichen Einsatz der politisch Verantwortlichen bezweifelt niemand, aber ganz offensichtlich fehlt es unserer Region an politischem Gewicht, um unsere Interessen durchzusetzen?

Dr. Schmidt: Das kann man so und so sehen. Ich habe einen guten Zugang zur Landesregierung, aber wir dringen natürlich nicht immer durch in der Konkurrenz zu Fulda und Kassel. Deshalb ärgere ich mich über jede Entscheidung, die gegen das eigentlich postulierte Ziel der Stärkung des ländlichen Raums geht.

So wie die erneute kalte Dusche in Sachen Bad Hersfelder Arbeitsagentur...

Dr. Schmidt: Ich sehe vor allem die Gesamtentwicklung beim Verlust von öffentlichen Einrichtungen für den Kreis, mit der ich in keinster Weise zufrieden bin. Andererseits können wir mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Kreises sehr zufrieden sein. Natürlich ärgern uns Entscheidungen wie zur Arbeitsagentur, weil es in die Kette der gefühlten Benachteiligungen passt. Aber das ist eher ein Imageverlust und kein Arbeitsplatzverlust.

Was können Sie als Landrat denn jetzt tun, um das Rotenburger Kasernenareal zu vermarkten?

Dr. Schmidt: Wir müssen diese Situation als Chance begreifen, denn immerhin ist Rotenburg der einzige Standort in Hessen, der geschlossen wurde. Deshalb können wir auch Forderungen stellen. Dennoch dürfen wir jetzt nicht in eine hektische Diskussion verfallen. Wir haben keinen Plan B für diese Situation, weil niemand mit der Schließung gerechnet hat. Es muss jetzt erlaubt sein, über alles nachzudenken: Zum Beispiel über eine Außenstelle unserer überquellenden Universitäten. Oder ein Sportleistungszentrum. Oder die Ansiedlung von Bundes- und Landesdienststellen. Aber nichts davon ist derzeit ausgereift.

Viel hängt von der Verkehrs-Anbindung ab. Wie realistisch ist die dritte Fuldabrücke?

Dr. Schmidt: Wenn das Kasernengelände industriell genutzt werden soll, dann ist eine dritte Fuldabrücke unabdingbar. Ob wir aber eine solche Nutzung anstreben sollten mit Blick auf die Anbindung und die Topografie, das bezweifele ich. Ich finde, eine Dienstleistungsnutzung würde besser zu Rotenburg und dem Gelände passen. Außerdem kann der Bau einer Umgehungsstraße für Lispenhausen und einer Brücke mit allen Planfeststellungsverfahren bis zu zehn Jahre dauern.

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