Montagsinterview mit MdB Helmut Heiderich (CDU)

„Ich verstehe mich als Problemlöser“

Hersfeld-Rotenburg. Nach der Wahl, neue Qual: Die Machtverhältnisse in Bund und Land sind schwierig. Kai A. Struthoff sprach darüber mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Helmut Heiderich.

Herr Heiderich, die Mehrheit der Deutschen will eine große Koalition. Was wollen Sie?

Helmut Heiderich: Die in Frage kommenden Parteien müssen sich erst mal neu sortieren - das gilt für die SPD wie für die Grünen. Dann muss man Gespräche aufnehmen und sehen, wo die größten Schnittmengen sind. Im Moment sieht es eher nach einer großen Koalition aus.

Sie antworten genauso ausweichend wie Michael Roth. Wer ist Ihr Wunschpartner?

Heiderich: Mein Wunsch ist, dass wir eine erfolgreiche Politik machen, vor allem für die ländlichen Räume. Da muss man sehen, mit wem am meisten geht. Das hat nichts mit rot oder grün zu tun, sondern allein mit Inhalten.

Trotzdem wird in Ihrer Partei schon mal vorsorglich mit Blick auf mögliche Koalitionen über Steuererhöhungen diskutiert. Ist das nicht unredlich gegenüber den Wählern?

Heiderich: Für mich gilt, was wir dazu vor der Wahl gesagt haben. Auch Finanzminister Schäuble hat bereits erklärt, dass er keine Steuererhöhungen will. Natürlich muss man in Koalitionen Kompromisse eingehen. Aber aus meiner Sicht ist es unklug, schon jetzt Positionen zu räumen, wo die Verhandlungen noch nicht einmal begonnen haben.

Aber es ist doch gut, etwas mehr Geld in die Kassen zu bekommen und den Schwarzen Peter dafür dem Koalitionspartner rüberzuschieben?

Heiderich: Wir nehmen doch im Augenblick so viel Steuern ein wie noch nie. Deshalb ist es nicht meine Position jetzt weiter abzukassieren. Es war die SPD, die seinerzeit den Spitzensteuersatz von 53 auf 42 Prozent gesenkt hat. Jetzt haben dort einige offenbar Gewissensbisse und wollen ihn wieder nach oben schrauben.

Sie haben sich im Wahlkampf in den Erfolgssog von Angela Merkel gehängt. Verliert man dabei nicht das eigene Profil?

Heidereich: Ich glaube, dass hier vor Ort sehr klar geworden ist, wofür ich stehe. Es freut mich, dass ich im Landkreis Hersfeld-Rotenburg die Mehrheit der Stimmen erhalten habe.

Machen Sie hier bessere Arbeit als Michael Roth?

Heiderich: Wir haben eine unterschiedliche Herangehensweise: Ich verstehe meinen Auftrag als Problemlöser für die eigene Region. Die heimische SPD hat dagegen in den vergangenen Jahren fast alles immer nur negativ dargestellt. Ich bin stolz darauf, dass wir in der letzten Wahlperiode hier vieles erreicht haben und dies von den Wählern auch honoriert wurde.

Nicht so im Werra-Meißner Kreis. Dort hat man sogar eigene Kandidaten gegen Sie aufgestellt. Was machen Sie dort falsch?

Heiderich: Als ich dort angefangen habe, hatte Herr Roth fast 30 000 Stimmen Vorsprung, jetzt sind es noch etwa 3000 Stimmen. Laut HNA ist der Nordteil des Werra-Meißner-Kreises „die letzte richtig rote Ecke Hessens“. Aber auch das werden wir noch ändern. Deshalb werde ich mich dort weiter stark engagieren. Hauptthema ist und bleibt die Verbesserung der Infrastruktur auf allen Ebenen. Von der Wirtschaft bis zur ärztlichen Versorgung.

Ihr Verhältnis zu Michael Roth ist immer ziemlich angespannt. Könnten Sie denn überhaupt in einer großen Koalition zusammenarbeiten?

Heiderich: Eine Koalition wird sicherlich nicht an uns beiden scheitern. Aber es hallt immer so aus dem Wald heraus, wie man hinein ruft. Ich erinnere nur an die Diskussion um den Schilde-Park beim HZ-Wahlmarkt, wo mir Roth vorwarf, ich sei pietätlos. Nur weil ich gegen die Umbenennung des Schildeparks war. Jetzt ist die SPD komplett auf meine Linie eingeschwenkt.

Während Sie auf einer Erfolgswelle schwimmen murkst Ihre Partei im Kreis ziemlich rum. Im schwarzen Bebra hat es der CDU-Bürgermeisterkandidat nicht mal in die Stichwahl geschafft. Die Hersfelder Verhältnisse in der Stadt-CDU sind fast sprichwörtlich. Werden Sie sich jetzt als letzter starker Mann der CDU auch hier im Kreis stärker einbringen?

Heiderich: Meine Partei hat mich gut unterstützt, insbesondere die Junge Union, die eine richtig starke Truppe ist. Darauf können wir stolz sein und aufbauen. In einer hauptamtlichen Position hat man natürlich immer auch eine Verantwortung gegenüber der eigenen Partei und den Verbänden vor Ort. Das habe ich immer so gehalten, und werde es auch weiter tun. Wer Unterstützung braucht, kriegt sie.

Mit der Faust auf den Tisch hauen, werden Sie aber nicht?

Heiderich: Jede Fraktion und jeder Verband ist eigenständig. Ich bin nicht dazu da, auf den Tisch zu hauen. Sondern um zu helfen, dass es vor Ort vorangeht.

Wo wird die Regierungsbildung denn jetzt schwerer - in Berlin oder in Wiesbaden?

Heiderich: Erst mal muss sich überall der Pulverdampf verziehen und die Wahlkampf-Rhetorik zurückgefahren werden. In Wiesbaden sind die Verhältnisse etwas schwieriger. Deshalb wird es dort vermutlich auch etwas länger dauern als in Berlin.

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