Montagsinterview mit Stefan Pruschwitz, dem kaufmännischen Leiter der Festspiele

„Ich bin die Schnittstelle“

Ein Freund der Stiftsruine: Stefan Pruschwitz, der neue kaufmännische Leiter der Bad Hersfelder Festspiele, hat das historische Gemäuer bereits lieb gewonnen. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Der Oberfranke Stefan Pruschwitz ist seit Anfang dieses Monats kaufmännischer Leiter der Bad Hersfelder Festspiele und damit im wirtschaftlichen Bereich Partner des neuen Intendanten Dieter Wedel. Neben dieser neu geschaffenen Position soll sich Pruschwitz künftig auch um das Stadtmarketing kümmern. Unsere Zeitung sprach mit ihm über arbeitsreiche erste Tage.

Herr Pruschwitz, Stadtmarketing oder Festspiele, woran arbeiten Sie zurzeit?

Stefan Pruschwitz: Eher an den Festspielen, denn wir wollen ja in die Saison 2015 einsteigen. Neue Köpfe in einem bewährten Team, viele Ideen, wenig Zeit – das Thema Stadtmarketing fängt jetzt erst langsam an, bei mir eine Rolle zu spielen.

Die Zeit bei den Festspielen ist wirklich knapp, wie groß ist der Druck bei Ihnen?

Pruschwitz: Wir arbeiten viel intern, weil wir einige grundlegende Entscheidungen treffen müssen. Wir wollen ja Ende des Monats mit dem Vorverkauf starten. Das ist vor dem Hintergrund der Veränderungen, die vielleicht anstehen, ambitioniert. Also, wir haben schon ein bisschen zu tun.

Wie sind Sie eigentlich nach Bad Hersfeld gekommen? Kannten Sie Herrn Wedel schon vorher?

Pruschwitz: Ja, wir hatten in Worms schon miteinander zu tun und haben dort auch teilweise zusammengearbeitet. Über das Netzwerk ist vor ein paar Monaten dann der Kontakt zustande gekommen und es hat sich ergeben, dass wir über das Thema Festspiele gesprochen haben.

Sie kannten Herrn Wedel, aber kannten Sie auch Bad Hersfeld und die Festspiele?

Pruschwitz: Klar. Wenn man sich mit Festspielen auseinandersetzt, weiß man, dass Bad Hersfeld in Deutschland einen ganz, ganz hohen Rang hat. Bad Hersfeld kenne ich, denn ich war vor 30 Jahren schon mal mit einer Handball-Auswahl hier. Ich gestehe aber, dass mir davon nicht mehr viel im Kopf geblieben ist. Aber man hat ja heutzutage die Möglichkeit, sich über das Web oder durch Gespräche zu informieren. Da kann man sich einarbeiten, und das Konstrukt Festspiele ist ja im Grunde übertragbar.

Apropos einarbeiten. Welche Baustellen haben Sie in den ersten Wochen bereits entdeckt? Wo sehen Sie für sich den größten Handlungsbedarf?

Pruschwitz: Das ist schwierig zu beantworten. Aber wenn man Festspiele und Stadtmarketing miteinander vergleicht, dann gehört beides zusammen, denn die Festspiele sind Teil des Stadtmarketings. Dieses Konzept weiter zu entwickeln und Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Akteuren im Stadtmarketing herauszuarbeiten, ich glaube, da liegt noch Potenzial drin.

Bisher ist es ja bei den Festspielen so gewesen, dass Verwaltung und Intendanz nebeneinander her gearbeitet und nicht immer an einem Strang gezogen haben. Werden Sie da verbindend tätig werden?

Pruschwitz: Das ist meine Hauptaufgabe. Ich soll die Schnittstelle sein. Man hat meine Position installiert, damit der Intendant einen zusätzlichen Ansprechpartner in der Verwaltung hat. Mit dem geplanten Umzug des Verwaltungsteams in die Räume der Intendanz werden beide Abteilungen auch enger zusammenrücken und dann auch die Tür-zu-Tür-Gespräche als Möglichkeit der Abstimmung haben.

Schauen wir doch mal aufs Stadtmarketing. Haben Sie da schon eine Idee, mit welchen Pfunden Bad Hersfeld wuchern kann?

Pruschwitz: Die große Stärke der Stadt ist die Zentralität. Deswegen kommen viele Gäste nach Bad Hersfeld, um hier zu tagen oder sich zu treffen. Das sind für den Einzelhandel, für die Gastronomie und die Hotellerie die ganz, ganz wichtigen Gäste. Da liegt eine Alleinstellung, die ich zusammen mit den Akteuren gerne weiter ausbauen würde. Beim Marketing nach innen stellt Bad Hersfeld in der Region ebenfalls ein Zentrum dar. Wir wollen, dass es mit seinen kulturellen Stärken wie Lullusfest, Festspielen und vielem anderen als Einheit wahrgenommen wird. Da läuft noch manches nebeneinander her, und da möchte das Stadtmarketing die Klammer sein. Es geht um die Identität der Bad Hersfelder mit ihrer Stadt.

Gibt es etwas, das Ihnen an Bad Hersfeld schon besonders gut gefällt?

Pruschwitz: Ich liebe die Stiftsruine, die ist mein Highlight. Und mir gefällt, dass die Stadt eine gewisse Ruhe hat und doch geschäftig ist.

Von Karl Schönholtz

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