Bad Hersfelder Festspiele: André Eisermann spielt den Zettel mit vollem Einsatz

„Ich kann gar nicht anders“

Dreimal André Eisermann: Links sein schönstes Gesicht, in der Mitte beim Gedanken an die Sommernachts-Träumereien und rechts sein mimischer Kommentar zum Sommer 2015. Fotos: Schönholtz

Bad Hersfeld. Es gibt Schauspieler, die schlüpfen in ihre Rolle, bleiben aber darin sie selbst. Und es gibt Schauspieler, die legen für die Dauer der Aufführung ihr Selbst ab und sind die Rolle. So einer ist André Eisermann. „Ich kann gar nicht anders“, sagt der Darsteller des Zettel, der in den „Sommernachts-Träumereien“ mit vollem Körpereinsatz zu Werke geht und sich mit dem richtigen Esel ein leidenschaftliches Duett der Iah-Rufe liefert.

In die Zeit vertieft

Mit dem Anspruch, in der Rolle dem gespielten Menschen gerecht zu werden, hat André Eisermanns Karriere begonnen. Für die Figur des Kaspar Hauser hatte er sich „ganz in die Zeit vertieft. Ich bin im 17./18. Jahrhundert gelandet“, erinnert er sich an seinen Durchbruch Anfang der 90er Jahre.

Der Start mit einer solchen Figur habe allerdings auch Maßstäbe gesetzt, sagt Eisermann, vor allem für ihn selbst. „Deshalb habe ich später Vieles abgelehnt.“

Denn jede Rolle bedeute auch die Herausforderung, ihren Inhalt zu transportieren: „Deswegen bin ich Schauspieler geworden“, sagt Eisermann. „Vor Publikum zu spielen, da macht die Arbeit richtig Spaß“.

Mit Urvertrauen

Doch vor der Aufführung steht die Probenarbeit. Im Grunde sei es die Aufgabe des Regisseurs zu sagen, wie mit der Rolle umzugehen sei. Doch André Eisermann hat das auch schon ganz anders erlebt, etwa bei George Tabori, der vorgegeben habe, genau das nicht zu können. „So hat er die Individuen seiner Darsteller herausgeholt, ohne deren Persönlichkeiten zu verändern“, beschreibt er den Arbeitsstil des legendären Theatermachers.

Regisseur Joern Hinkel verfügte ebenfalls über „Urvertrauen in die Menschen“ und habe dem Ensemble der „Sommernachts-Träumereien“ alle Freiheiten gelassen – mitunter allerdings nicht geplant, weil Oberon-Darsteller Christian Schmidt auch bei der „Komödie der Irrungen“ einspringen musste. Eisermann spricht’s, schaut ganz verschmitzt und landet erneut bei Tabori: „Aus der Not heraus entsteht das wahre Wunder des Theaters. Aber es muss zur Premiere kommen!“

Bei den Festspielen genießt André Eisermann auch die Zusammenarbeit mit den mehr als 40 Kleindarstellern. „Diese jungen Menschen sind ganz was Tolles, sie tragen die Aufführung“, lobt der Profi und sagt: „Wir freuen uns, wenn wir uns wiedersehen.“

An sich selbst arbeiten

Mit ihnen und den Kollegen versucht Eisermann auch, der grassierenden Oberflächlichkeit und Verdummung entgegen zu wirken. „Man muss da vor allem an sich selbst arbeiten, denn als Schauspieler hat man die Möglichkeit, den Menschen etwas anzubieten. Da ist unser Beruf gefordert,“ sagt er und hat noch ein Zitat parat, diesmal von Festspielintendant Dieter Wedel: „Wenn man den Zuschauern nur Brei vorsetzt, verlieren sie irgendwann die Zähne, weil sie das Kauen verlernt haben.“

Von Karl Schönholtz

Kommentare