Interview: Die Hersfelderin Samia Dauenhauer erzählt über ihre Rolle bei „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“

„Ich hatte nicht mal Fernsehen“

Fernsehgesicht: Seit dem 5. Januar ist Samia Dauenhauer aus Bad Hersfeld von Montag bis Freitag in der RTL-Soap Gute Zeiten Schlechte Zeiten zu sehen. Fotos: RTL L/nh

Bad Hersfeld/Berlin. Wer bei den vier Buchstaben GZSZ ratlos die Schultern zuckt, hat in den vergangenen 20 Jahren wohl außerhalb unseres TV-Universums gelebt. Denn schon fast 5000 Folgen der RTL-Seifenoper „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ wurden seit 1992 gesendet. Ins Gefühls-chaos der Berliner Soap-Clique steigt jetzt auch eine Hersfelderin ein. Samia Dauenhauer (27) spielt seit dem 5. Januar die 18-jährige Jacky, die sie als komplizierte Kratzbürste mit weichem Kern beschreibt. Mit uns hat die Schauspielerin über die Faszination der Soaps und ihre alte Heimat gesprochen.

Frau Dauenhauer, ein Serien-Charakter muss ja in kürzester Zeit so einiges mitmachen: Hochzeit, Scheidung, Entführung, Drogensucht, Feuersbrunst. Sind Sie schon auf sämtliche Schicksalsschläge eingestellt?

Samia Dauenhauer: Ich bin gespannt darauf, welche schwierigen Situationen Jacky zu meistern haben wird. Das ist spannend an einer Serie – nicht nur die Zuschauer fragen sich, wie es wohl weitergeht mit den Charakteren, auch wir Schauspieler wissen nicht, was unserer Rolle passiert. Natürlich sollte man in unserem Beruf dazu in der Lage sein, jegliche Handlung und Emotion darzustellen, aber wirklich darauf „einstellen“ kann man sich da nicht. Zumindest ich nicht.

Eine Soap wie GZSZ besticht ja nicht gerade durch die realistische Handlung. Warum fiebern trotzdem so viele Menschen mit?

Dauenhauer: Ich denke, dass viele Menschen sich schon mit der ein oder anderen Figur identifizieren können – möglicherweise manches Problem auch schon selbst hatten. Schaut man eine Serie regelmäßig, bekommt man das Gefühl, die Charaktere durch ihren Alltag zu begleiten. Die Gesichter sind dann irgendwann so vertraut, dass manche Fans schon mal Schwierigkeiten haben, Rolle und Darsteller auseinander zu halten und einen Schauspieler auch ab und an mit dem Namen der Figur ansprechen. Das ist schon ein Phänomen.

Saßen Sie auch früher um kurz nach halb acht vorm Fernseher?

Dauenhauer: Ich hatte lange Zeit nicht mal einen Fernseher.

Was hat Sie dann gereizt, vom Theater ins Fernsehen zu wechseln?

Dauenhauer: Kameraerfahrungen zu sammeln war für mich sehr wichtig und die Rolle hat mich angesprochen. Außerdem ist es sehr toll als Schauspieler ein festes Einkommen zu haben. Als ich dann beim Casting noch das nette Team kennengelernt habe, war klar, dass Fernsehen doch nicht beißt. Ich habe großen Spaß an meiner neuen Arbeit!

Keine Angst als „Soapie“ abgestempelt zu werden?

Dauenhauer: Die Leute reden natürlich auch mal schlecht über Personen, die in der Öffentlichkeit stehen. Macht man ein Musical „spielt die ja gar nicht“, dreht man unbezahlte Kurzfilme „läuft es wohl nicht gut“, kriegt einer plötzlich Hartz 4 ist das natürlich „peinlich“, kellnern „tun ja alle, die nichts erreicht haben“ und wer Soaps dreht ist eh „kein echter Schauspieler“. Man wird nie von allen geliebt, doch ich habe keine Angst um mein Image. Nicht Jeder ist doch gleich schlecht, nur weil er etwas tut was ein anderer nicht tun würde oder möglicherweise auch einfach nur nicht versteht. Ich ärgere mich öfter mal über dieses Thema.

Mit der GZSZ-Rolle werden auch rote Teppiche und Autogrammjäger kommen. Eher ein aufregender oder ein unheimlicher Gedanke?

Dauenhauer: Ich bin kein Freund vom Blitzlichtgewitter auf roten Teppichen und versuche, mein Privatleben zu schützen. Natürlich genieße ich es Aufmerksamkeit zu bekommen – sonst hätte ich einen anderen Beruf ergriffen – doch eher auf andere Art. Ich finde es zum Beispiel richtig toll, wenn mir ein Zuschauer offen mitteilt, was ihm warum gut gefällt, oder eben auch mal nicht, und ich gebe gerne Autogramme, aber ich muss nicht auf jede Gala. Zumal ich nicht besonders gut im Smalltalk bin. Leider.

Sie sind nach der Schule aus Bad Hersfeld nach Berlin gezogen. Ist Hersfeld noch ein Stück Heimat?

Dauenhauer: Absolut! Meine Eltern leben dort.

Ihre Antwort auf die Hauptstadt-Frage: „Hä, Hersfeld, muss man das kennen?“

Dauenhauer: Ich erwähne meistens die Festspiele. Die sind vielen ein Begriff.

Haben Sie als Kind mal in den Festspielen gesessen und gedacht: das will ich auch?

Dauenhauer: Immer! Ich war auch zweimal mit dem Kinder-Chor und auch schon als Statistin mit auf der Bühne. Das erste Mal sogar mit acht Jahren.

Mit 27 spielen Sie in der Serie eine 18-Jährige. Haben Sie die alten Tagebücher entstaubt?

Dauenhauer: Ich habe gute Filme angesehen, zum Beispiel „Prinzessinnenbad“, viel gelesen, ausprobiert und beobachte Menschen generell sehr genau. Außerdem habe ich Jacky einen Steckbrief geschrieben, an dem ich mich mit orientiere und bin vor Dreh-Beginn ab und zu so rumgelaufen wie sie. Weite Hosen, Turnschuhe und so, um ein Körpergefühl für sie zu bekommen. Zu wissen wie sich der Charakter bewegt, ist sehr wichtig.

Gute Zeiten Schlechte Zeiten läuft montags bis freitags um 19.40 auf RTL.

Von Saskia Trebing

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